Bob Dylan – AWD-Hall Hannover, 26.10.05

von Hififi am 27. Oktober 2005

in Feierlichkeiten

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Ein echter Traum geht in Erfüllung. Bob Dylan live! Das wollte man schon lange, schon immer, schon seitdem man seine Musik für sich entdeckt hat. Genau das muss man nämlich: Dylan entdecken, sich seine Highlights aus 30 Studioalben rauspicken. Selbstverständlich kann man nicht alles kennen, auch deshalb die Kontroversen nach dem Auftritt.

Die AWD-Hall ist nicht ausverkauft, aber schätzungsweise 3.000 bis 4.000 dürften es wohl gewesen sein. Robert Allen Zimmermann alias Bob Dylan ist heute als Cowboy verkleidet und spielt Cowboy-Musik, so kommen z.B. der Opener „Maggie´s Farm“ und das altbekannte „Lay Lady Lay“ heute im Country-Gewand daher. Donnie Herron spielt dazu die pedal steel guitar (dieses blöde Western-Intrument, das Truck Stop in Deutschland populär gemacht haben), und bei „Blind Willie McTell“ spielt er sogar Banjo. Man muss der Band – die außer Donnie Herron noch aus Stu Kimball (Gitarre), Denny Freeman (Gitarre), Tony Garnier (Bass) und George Recile am Schlagzeug besteht – wirklich ein Kompliment aussprechen, da passte wirklich alles. Da liegt wiederum auch ein Problem; war doch alles ein wenig abgeklärt, zuviel professionelles Muckertum, kaum Spontanes. Irgendwie langweilig wenn sich die Beteiligten die Soli zuschustern und der eigentliche Protagonist im Hintergrund bleibt. Sicher ist das gewollt, macht der 64-jährige mittlerweile auf Understatement, kein egobezogenes Singer/Songwritertum mehr wie in den ´60ern, jetzt wird auf Band gemacht. Dylan steht am Rhodes-Piano, nicht vorne am Bühnenrand, sondern seitlich zwischen seinen Mitmusikern. Da hat man schnell die Arschkarte gezogen, wenn man (so wie wir) auf der falschen Tribünenseite sitzt. Aber ein schöner Rücken kann auch entzücken.

Wirklich geschmackvoll war das Bühnenbild, bewusst auf das Wesentliche reduziert und in warmen Farben beleuchtet. Warm und organisch auch die Musik, Dylan krächzt wie eh und je (wobei sich seine Stimme in den Jahren schon erheblich verändert hat) und sorgt durch seinen Piano-Teppich für die nötige Bindung zwischen den Musikern. Keine Frage, er ist der Chef auf der Bühne, und irgendwie spricht es für ihn, wenn das kaum einer merkt.

Insgesamt zwei Stunden (Zugabe inbegriffen) dauert der Zauber, der Zauberer verzichtet auf jederlei Ansage, ganz klar die Musik steht im Fokus. Über die Setlist kann man sich streiten, aber „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix als Zugabe entschädigt für so einiges.

Setlist:

Maggie´s Farm

Tonight I´ll Be Staying here With You

I´ll Be Your Baby Tonight

Lay Lady Lay

Most Likely You Go Your Way (And I´ll Go Mine)

Blind Willie McTell

Watching The River Flow

Ballad Of A Thin Man

Highway 61 Revisited

New Morning

Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again

Positively 4th Street

God Knows

Summer Days

Don´t Think Twice It´s Allright

All Along The Watchtower

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{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 Hififi November 8, 2005 um 18:46 Uhr

Ich habe ja erst vorgehabt es einfach zu ändern und zu hoffen, dass es keiner merkt, aber das ist feige. Also: „All Along The Watchtower“ ist tatsächlich im Original von Bob Dylan. Shame on me! Aber dadurch rockt der alte Sack nur noch mehr.

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