Blood Red Shoes – Interview

von Sterereo am 5. Mai 2008

in Interviews

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Laura-Mary ist schüchtern, sagt sie. Blicke wandern von der Holzmaserung des Tisches über mein Diktiergerät zum Notiz-Zettel. Manchmal sogar in meine Richtung. Dabei schreibt sie diese extrovertierten, energischen Melodien auf ihrer schweren E-Gitarre, zu der neuerdings die Jugend ihre Schlappen blutig tanzt. Dieses hübsche, verlegende Ding gehört zum ’next big thing‘ von der Insel. „We’ve definitly been hyped“, sagt sie, aber eine Hype Band? Nein! Nur zwei Geschwister im Geiste mit einem bejubelten Debüt-Album.

Es ist gut ein Jahr her, dass ihr bei V2 untergekommen seid. Was ist seitdem passiert?

Vor einer Woche hatten wir unser einjähriges Jubiläum der Unterschrift. Seit diesem Moment hatten wir verschiedene Labels auf denen wir (zählt mit den Fingern) 4 Singles herausgebracht haben. Dann haben wir das Album aufgenommen, tourten zweimal durch Japan und wurden von Universal zu Co-op weitergereicht. Die haben auch unser Release etwas verzögert. Sie wollten wissen, wie die Band so drauf ist. Sie hatten einiges aufzuholen, was gedauert hat. Monate. Auch wir haben die Sache erstmal beobachtet. Sie haben zu der Zeit nämlich einige Bands gedroppt. Uns zum Glück nicht. (lächelt). Also spielten wir in der Zwischenzeit Festivals. Wir haben eine Menge erlebt im letzten Jahr. Es war wie eine Achterbahnfahrt.

Jetzt ist’s draußen und heißt „Box of Secrets“. Wie macht es sich bisher?

Gut. Besser als wir dachten. Nun, durch diese Verschiebungen haben wir damit gerechnet, dass es die Meisten schon aus dem Internet gezogen hätten. Immerhin wurde es fünf Monate vorher geleakt. Teilweise kamen die Leute nach Auftritten zu uns und meinten: ‚Super! Wir lieben euer Album!’, dabei war es noch überhaupt nicht zu haben. Dafür verkauft es sich sehr gut.

Ist dir Erfolg wichtig?

Ja, ich denke schon. Immerhin haben wir eine Menge Arbeit in das Album gesteckt. Zwar suche ich nicht nach der großen Anerkennung, dafür ist es sicherlich nicht nah genug am ‚Mainstream’.

Also kein Mainstream. Aber wie würdest du eure Musik beschreiben?

Es ist schon recht poppig, zwar nicht dieser Radio-Pop, aber es hat Elemente davon: Die Refrains, die Melodien. Trotzdem ist es ein trashy, grungey, edgy Punk-Ding.

Die Kritiker schlagen deshalb Purzelbäume. Gerne taucht auch das Wort ‚Hype’ auf. Was es für dich?

Eine Band wird für mich gehypt, wenn sie dir überall unter die Nase gehalten wird. Sicherlich gab’s um uns einen Hype, aber nicht so sehr.

Naja, der NME lobte euch in den Himmel.

Ja, das machen die schon, seitdem wir vor Jahren angefangen haben. Aber wir waren nicht überall im Fernsehen und haben irgendwelche Werbungen geschaltet. Wir kommen schon in Magazinen vor, beiläufig, aber nicht ständig aufm Cover. Keine Ahnung, wie das hier ist, aber sicher nicht im UK.

Welche Band ist in deinen Augen denn nun ein typischer Hype?

(wie aus der Pistole) Klaxons, Foals und noch andere. Vielleicht noch die Artic Monkeys, weil’s nicht lange angehalten hat. Ebenso wie Tapes ’n Tapes. Dort sind schon einige.

Bei einem Hype schwingt immer noch etwas wie ‚überschätzt’ mit…

Ja, vielleicht. Allerdings denke ich, dass Foals eine wirklich gute Band sind, aber leider wirklich überall zu sehen sind. Da wirst du krank von, wenn du ständig von denen berieselst wirst.

Lassen wir die anderen Bands in Ruhe und kommen zu euch. Eure vorherigen Bands sind auseinander gebrochen und ihr wolltet euch eigentlich nur auf einen Jam treffen. Hatten ihr dort schon das Gefühl, dass ihr euch beiden genügt?

Sofort als wir zusammen gespielt hatten, war das eigentlich schon klar. Recht bald wurden wir gefragt ob wir einen Auftritt spielen wollen. Wir hatten kaum einen Song und nur wenig geprobt, aber Steven wollte es probieren. Ich habe mich dann darauf eingelassen. Also spielen wir diese Show und jeder dort hat’s gemocht. So haben wir einfach weitergemacht, zu zweit.

Wie viele gute Bands mit nur zwei Mitgliedern kennst du?

Da gibt’s eine, die wir zuletzt getroffen haben: I Was A Cub Scout. Die klingen sehr unterschiedlich im Vergleich zu uns. (überlegt etwas) Und eine andere: The Ting Tings. Leider haben wir die noch nicht getroffen. Wo wir übrigens wieder beim Thema Hype wären, die werden wirklich stark gehypt. Dort hast du auch einen Kerl am Schlagzeug und ein Mädchen an der Gitarre.

Zurück zu eurem Album, viele Songs von den EPs sind dabei, doch der Titel gebende Track ‚Box of Secrets’ hat’s nicht geschafft. Wie kommt’s?

Ja, stimmt, es war eine B-Seite. Es ist ein wirklich alter Song, einer von unseren ersten. Allerdings mochten wir ihn nicht mehr besonders, weshalb er nicht auf’s Album gekommen ist. Uns gefiel jedoch der Name. Deshalb wollten ihn schon immer für ein Album nehmen, von Anfang an.

Was hat es denn mit dem Namen auf sich? Ein Insider?

Ja, so was ähnliches. Alle Sachen, die so auf Tour passieren kommen in unsere ‚Box of Secrets’ (lächtelt)

Wie groß ist die Schachtel?

Oh, groß! (formt einen unanständig voluminösen Umzugskarton mit den Händen und lacht)

Es gibt da eine Band aus Newcastle mit einem Song der ‚Girls Who Play Guitar’ heißt.

Na klar! Maximo Park! Wir durften für sie eröffnen. Ich weiß sogar von welchem Mädchen das Lied handelt. Aber ich verrate es nicht (lächelt entwaffnend).

Schade. Glaubst du denn, dass es sich dabei um eine gewisse Sorte Mädels handelt? Ist es schwieriger für Gitarre spielende Frauen im Rockbusiness?

Nicht wirklich. Es ist immerhin nur ein Instrument. Jedoch eine Menge Männer kommen damit schlecht klar. Einige denken, dass Frauen nicht an die Gitarre gehören. Ich habe auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Einmal meinte jemand zu Steven er wäre ohne mich besser dran, nur weil ich eine Frau bin. Dass kränkt mich schon sehr. Allerdings wäre das komisch, ich schreibe nämlich alle Gitarrenteile, also gäbe es nur die Drums. (lacht) Darüber habe ich nicht gar nicht so oft gesprochen, dabei wird es mit den sexistischen e-Mails mehr, seitdem wir etwas bekannter werden. Das nervt schon ganz schön.

Robert Wyatt (Ex-Soft Machine) sagte mal: „Rock against sexism? That`s like omelettes against eggism!“ Du spürst also diesen Sexismus?

Ja, dabei ist es so dämlich! Viele meiner männlichen Freunde kriegen das nicht mit, weil sie diese Ansichten nicht verstehen. Allerdings bekomme ich fast täglich einen Spruch zu hören. An schlechten Tagen muss mir dann Steven den Rücken stärken.

Dabei hilft es vielleicht für die Promo ein hübsches Mädel in der Band zu haben. Meinst du nicht?

Sicher, aber das geht mir ebenfalls auf die Nerven. Dann fangen die Leute an mein Aussehen zu diskutieren: „Hey, so hübsch ist sie gar nicht“ und so weiter. Wenn ich das mitbekomme drehe ich durch. Was hat das bitteschön mit unserer Musik zu tun?! Ich bin auch nur ein Mädchen, was sich gerne schick kleidet und zufällig Gitarre spielt.

Es gibt ein Pressebild, wo es so aussieht, als ob du Steven die Nase blutig geschlagen hast.

(lacht) Ja, das gefällt mir. Weil Steven so ein Großmaul ist. Dagegen bin ich eher schüchtern und nicht unbedingt die Starke. Daran muss ich noch arbeiten. Ich glaube aber, dass ich trotzdem eher dominierend bin in der Band.

Gibt’s auch mal Streit?

Wir streiten ständig. Nicht immer über Musik, sonder über die dümmsten Sachen. Wir sind wie Bruder und Schwester.

Aber ihr ändert jetzt nicht die Nachnamen?

Nein! Aber Steven ist trotzdem wie mein kleiner, nerviger Bruder. (schaut so herausfordert, wie auf dem Presse-Foto)

Beim anschließenden Konzert erobert sie sogar für einen Song das Drum-Kit. Gelebte Emanzipation, ohne dass dabei irgendwer eine blutige Nase hat. Es wurde viel geschwitzt, eben noch so ein gelungener Auftritt. Einer von hunderten dieser jungen Brightoner. Manuel Andrack hat’s auch gefallen. Schmierte mir sogar anschließend etwas auf den geklauten Sticker, was aussieht wie „Paul Gerd“. Danke Paul. Danke Laura. Danke Blood Red Shoes.

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{ 10 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Mai 7, 2008 um 09:01 Uhr

Wenn man das Interview so liest, ist man schon ein wenig verliebt… Aber die Fragen waren auch gut, v. a. mit sem Sexismus-Zitat. Wäre ich nie drauf gekommen, Respekt. Aber ganz ehrlich, bist Du jetzt nicht ein wenig in die gute verknallt, Sterereo?

2 Iain Mai 7, 2008 um 09:28 Uhr

jetzt weiß ich, warum ariane das nicht wollte, pure eifersucht auf die süße laura ;o)

3 Sterereo Mai 7, 2008 um 09:59 Uhr

Ja, das is schon ’ne Süße, garkeine Frage. Sind uns auch sehr nahe gekommen. Anders hätten wir uns nämlich gegenseitig nicht verstanden. Blöder Soundcheck der lauten Vorband. Obwohl, so blöde garnicht… 😉 Aber jetzt sind wir ein wenig oberflächlich. Böser, böser Sexismus!

4 Ariane Mai 7, 2008 um 11:40 Uhr

wie war das noch nachm maximo park konzert im oktober..ach ja: soooo hübsch is die ja nich ma (zitat Iain)

und du weißt, wen ich mir spätestens im august jetzt kralle ^^

5 RockinBen Mai 7, 2008 um 11:47 Uhr

Hilfe! Nur noch Groupies hier???

6 Ariane Mai 7, 2008 um 12:27 Uhr

wer hat denn angefangen…kerle sind doch alle gleich!

7 Sterereo Mai 7, 2008 um 21:15 Uhr

Haha, sehr geil! Musste jetzt schon ein wenig über euch lachen. 😉 Vor allem das Laura-Mary anscheinend über Iain gesprochen hat.

8 Iain Mai 8, 2008 um 09:03 Uhr

hat sie glücklicherweise nicht, aber ich mochte ihre alte frise echt lieber ;o)

9 Ariane Mai 8, 2008 um 09:47 Uhr

was soll man machen, wenn der Iain auf einen solchen kommentar von mir abziehlt…dann kriegt er ihn auch.

ich mochte ihre alte frise auch lieber

10 Pynchon Juni 12, 2009 um 10:08 Uhr

Wow, die ist wirklich hübsch!
Wirkt so schutzbedürftig…

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