Blonde Redhead – FZW Dortmund, 29.8.2011

von Claudi Yeah am 8. September 2011

in Feierlichkeiten

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Immer wieder wird versucht, Indie-Bands und ihrer Musik bestimmte Stempel aufzudrücken; Ambient, Shoegaze, Psychedelic, Slowcore, Noise Pop, Lo-Fi um nur einige zu nennen.Das ganze klingt auf Platte dann mal krachig, mal melancholisch schön, mal wird man eher von Soundwänden umgestoßen, scheppernde Schlagzeuge werden einem um die Ohren gehauen oder gänzlich zurückgenommener Gesang mit noch subtilerer Instrumentierung verlangt eine gewisse Mühe beim Lauschen eines Albums. Blonde Redhead gehören zwar auch irgendwie zu oder besser zwischen oben genannte Sparten, so ganz hineinzwängen lassen sie sich jedoch nicht.

Klingen Blonde Redhead mit ihren überwiegend schwebenden Songs, die nicht zuletzt durch den Gesang von Kazu Makino, eine völlig eigene Sphäre bilden, durch vermeintliche Überinspiration (Sonic Youth, Björk, Joy Divison…) durch heimische Lautsprecher (vor)schnell nichtssagend, gar langweilig, funktioniert ihr Werk auf der Bühne im Dortmunder FZW umso packender und ihnen gelingt es, das Publikum ohne sichtbare Mühe zu fesseln.

Aufgrund komplizierter Soundeinstellungen ohne Support und nach kurzen Techniknachbesserungen zeigt das Trio (Kazu Makino: Gesang, Keyboard, Gitarre. Amadeo Pace: Gitarre, Gesang, Aux. Simone Pace: Schlagzeug) von Beginn an, wie konzentriert und fokussiert sie während ihrer Liveauftritte arbeiten. Makino meditiert annähernd in den Songs, die Pace-Zwillinge strahlen eine natürliche, ausgeglichene Tiefenentspanntheit aus und bilden väterlich-graue und sichere Ruhepole, die in spannender Wechselwirkung zur Sängerin arbeiten. Lediglich für einen kurzen Moment erfährt das Publikum einen irritierten Moment in Makinos Aufmerksamkeit: “Excuse me? Which Song?“ blickt sie fragend die grauen Herren (Dean Wareham meets Wayne Coyne) an. Jedoch, die Konzentration setzt sich fort und überträgt sich direkt auf die Zuschauer im locker gefüllten Raum, der während der Liedpausen von andächtiger und beeindruckter Stille besetzt wird. Bunte Lichtkegel und Glühbirnen in Kerzenflammenoptik auf der Bühne lassen keinen Gedanken an eine allzu durchinszenierte Show aufkommen.

Ziemlich genau eine Stunde bannen Blonde Redhead ihr Publikum mit einem ganz und gar nicht langweiligen Auftritt, nicht zu greifende Songs nahe Klangcollagen, zum Kopfnicken animierende Up-Tempo-Nummern, Intensität in Subtilität und Knappheit. Keine Zugabe. Vorhang. Ein positiv überraschender Konzertabend.

Foto: myspace.com/blonderedhead

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1 Pynchon September 8, 2011 um 21:05 Uhr

Ganz tolle Band, bin neidisch!

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