Bloc Party – A Weekend In The City

von Sterereo am 7. März 2007

in Musik!

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Viele, viele gute Alben kamen damals vor zwei Jahren in die Regale: Kaiser Chiefs, Maximo Park und eben Bloc Party. Was für ein großartiges Debüt war „Silent Alarm“! Kann der Nachfolger halten, was der Vorgänger verspricht?

Natürlich kann er’s. Darin ist sich auch die Fachpresse einig. Was kann ich über dieses Album sagen, was nicht schon von anderen zu genüge gesagt wurde? Vielleicht das der Einstieg diesmal ungefähr eine Minute länger dauert. „Like Eating Glass“ blies beim Vorgänger direkt die Gehirnwindungen frei. „Song For Clay (Disappear Here)“, der Opener von „A Weekend In The City“ wird mit Kele Okerekes sehnsüchtigen Gesang eröffnet. Dann wummert der Bass schwerfellig und das Schlagzeugspiel treibt im monotonen Rhythmus den Song voran. Alles scheint etwas düsterer, bedrohlicher zu werden. Eine Homage an die Stadt – kein Loblied. Gleich der zweite Track „Hunting for Wichtes“ trägt die unverkennbare Handschrift der Londoner, tanzbarer Indie-Rock at it’s best. Sofort fühlt man sich an „Banquet“ oder „Helicopter“ erinnert. Daher vielleicht auch mein Lieblingstrack? Doch die Single heißt „The Prayer“ und lässt nach den ersten Takten weder auf Bloc Party noch auf Indie oder Rock schließen. Es wummert kräftig aus den Boxen und Okereke singt: „Lord, give me grace and dancing feed/let me outshine the moon“. Interessantes Songexperiment, Mut haben die Jungs, soviel steht fest. Persönlich tue ich mich mit diesem Song allerdings nach wie vor schwer. Etwas mehr nach vorne als gewohnt geht das anschließende „Uniform“, in dem am Ende sogar so etwas wie Metal-Gitarren schrebbeln. Etwas sehnsüchtiger geht es bei „on“ zur Sache. Wenn da mal nicht die Liebe im Spiel ist. Auch im Berliner Stadtteil „Kreuzberg“ scheint die Sehnsucht nach dem richtigen Partner eine innerliche Wand aufzustellen. Doch auch gute Erinnerungen birgt die Stadt. „I Still Remember“ ist fast schon naiv schön geraten. Auch das Video ist sehenswert. „A Weekend In The City“ schließt den Kreis mit „Sunday“, wie könnte es anders sein. Der (aller)letzte Track „SRXT“ handelt vom wahren Ende, Selbstmordgedanken, wer kennt sie nicht?

Bloc Party haben sich entwickelt. Überall sind neuerdings Effekte oder Geräuschschnipsel zu finden. Das zweite Album gefällt von Anfang an. Es ist düsterer, jawohl, aber es ist vor allem nicht „Silent Alarm 2“ – das ist toll!

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{ 6 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen März 7, 2007 um 17:06 Uhr

Sunday ist vor allem textlich ein wundervolles Liebeslied! Ansonsten denke ich ähnlich. Allerdings muss ich mich erst noch dran gewöhnen, dass Bloc Party nicht mehr als Synonym für Tanzflächensturm steht.

2 Sterereo März 7, 2007 um 18:41 Uhr

Ja, „I love you in the morning – when you still hung-over“. Ist schon wirklich nett gesagt. Aber tanzbar sind die immernoch. Auch zu „I Still Remember“ kann man sich bewegen. Oder „Hunting For Witches“ – wie gesagt. Aber du hast recht, Silent Alarm war da sicher dringender.

3 otic März 9, 2007 um 12:15 Uhr

Hey, hier wird nicht diskutiert!

4 RockinBen März 10, 2007 um 00:33 Uhr
5 otic März 10, 2007 um 10:43 Uhr

…und auch nicht gemault!

Gelacht schon gar nicht!

6 Cut1977 März 14, 2007 um 16:57 Uhr

Es gibt so viele Töne und man kann sie auf so viele verschiedene Arten und Weisen anordnen. Manchmal geht da was schief. Und dann auch noch die Möglichkeiten, all diese Töne mit Rhythmen zu unterlegen. Und dann noch die Möglichkeiten, die man in einem Tonstudio hat. Hall, Echo, Vocoder. Alles so verlockend. Kele Okereke erzählt in einem der sicherlich anstrengenden unzähligen Interviews, dass sie beim ersten Album ja noch gar nicht wussten, was man alles in einem Studio machen kann. Vielleicht waren Bloc Party davon auch ein bisschen verwirrt. Aber ich will ihnen das nicht vorhalten. Auf keinen Fall wollten sie sich auf dem neuen Album wiederholen. Dennoch kann man das, was man bis jetzt als Sound von Bloc Party definieren würde, durchaus auf dem Album heraushören. Allerdings ging es mir ein bisschen wie beim Hören des zweiten Sparta-Albums. Alle Elemente waren vorhanden, die Anordnung jedoch passte nicht so ganz. So steht es mit den Melodien, dem Songwriting beim zweiten Bloc Party Album. Es wirkt ein bisschen einfalls- und gefühllos. Ein wenig bemüht abgehoben (von einer eh schon hohen Ebene) und bemüht anders als auf ?Silent alarm?. Es will dramatisch sein, ist es aber kaum.
Textlich kann man Bloc Party nichts vorwerfen. Damit stehen sie qualitativ sicherlich weit über allen anderen Bands aus England und den USA.
Wie kommt es nun dazu, dass Bloc Party so wählen, wie sie wählen? Das kann man sicherlich jede Band fragen, aber der Druck, der auf Bloc Party lag und immer noch liegt, wird sich sicherlich auf die Wahl ausgewirkt haben. Es ist schwierig, unter diesen Umständen ein (in jeder Hinsicht) nahes Album aufzunehmen. Und diese Distanz ist auf dem neuen Album deutlich zu hören. Bloc Party wirken weit weg.

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