Black Rebel Motorcycle Club – Beat The Devil's Tattoo

von am 6. April 2010

in Musik!

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Black Rebel Motorcycle Club sind zurück. Eine Aussage, die nicht unbedingt bei Jedermann für Euphorie sorgt. Konnte das Debüt „BRMC“ noch einhellig als Lang-Lebe-Rock’n’Roll-Fortführung der schwarzledernen Pose aus den späten Sechzigern, des Rock’n’Rave oder der narzisstisch-destruktiven Noise-Performance der Achtziger- und frühen Neunziger-Jahre gefeiert werden, sah es mit den Folgealben schon ganz anders aus. Album zwei war wie Album eins, nur weniger überraschend. Mit „Howl“ erfand man sich vermeintlich neu: Die einen (inkl. d. Rezensenten) konnten mit der Totalhinwendung zur amerikanischen Motorradromantik nicht mehr allzu viel anfangen und deuteten in gehässigen Momenten auch gerne mal in Richtung Bon Jovi. Ain’t no easy way! Das solide „Baby 81“ ging wieder zwei Schritte zurück, konnte aber mangels Innovation dennoch nicht ganz an alte Qualitäten anknüpfen. Mut zur Konsequenz zeigte man trotzdem, wenn auch nicht auf einem regulären Album: „The Effects Of 333“ war eigentlich unhörbar, aber mit „no lyrics, no apologies, no regrets“ wundervoll losgelöst vom Rest des Bandoutputs.

Kommt jetzt mit „Beat The Devil’s Tattoo“ die lang ersehnte Verschmelzung von Noise, amerikanischen Mythos und frischen Songideen? Fast. Nachdem sie mit Marlon Brando, The Velvet Underground und Route 66 so langsam alle amerikanischen Mythen des 20. Jahrhunderts durchhaben, die sich stilistisch hervorragend mit schwarzen Sonnebrillen, Lederjacken und uneingeschränkt dargebotener Coolness vertragen, steht nun der Meister der tiefschwarzen amerikanischen Romantik des 19. Jahrhunderts an: Würde Edgar Allen Poe in der heutigen Zeit leben, trüge er ebenfalls ganz klar eine dunkle Sonnenbrille. Seine Kurzgeschichten standen Pate für den Titel des Albums und die Atmosphäre, die auf „Beat The Devil’s Tattoo“ eingefangen werden sollte. Das alles findet allerdings nur auf einer oberflächlichen Ebene statt, für tiefgründige Poesie sind andere zuständig. Hauptsache es befinden sich Schlüsselwörter wie „Black“, „Devil“ oder „Death“ in den Texten.

Alles beginnt howlig mit dem Titelstück als Ausgangspunkt in der Mitte der Soundkarriere der Jungs, geht mit dem schnellen Jesus-And-Mary-Chain-Tanzrocker „Conscience Killer“ zurück auf ‚Los‘ um dann mit „Bad Blood“ eine ordentliche 1:1-Adaption der kleinen, großen, leider mehr oder weniger erfolglosen Brüder Six By Seven (großer Tipp übrigens an alle BRMC-Fans, die sich ihre Lieblingsband ab und zu ein wenig drastischer wünschen!) abzuliefern. „Aya“ dröhnt wunderbar tief in der Magengegend. Schließlich martert „Half-State“ den Hörer noch einmal über zehn Minuten lang in einer psychedelischen Waschmaschine. Album Nummer Fünf hat vom Noise-Rocker bis zur Mundharmonika-Blues-Ballade alles zu bieten, was im selbstdefinierten Coolnessspektrum der Lederjacken Platz nehmen darf. Gelegentlich entsteht wie bei allen BRMC-Platten der Eindruck, dass das Songwriting nicht an allererster Stelle stand, als es darum ging, nun ja, Songs zu schreiben, was „Beat The Devil’s Tattoo“ aber kaum herunterreißt. Die Gimmicks sind entscheidend: Der Sound rumpelt, röhrt und dröhnt ordentlich, die Jacken sitzen ebenfalls perfekt – nicht weniger. Aber auch nicht mehr. In zwanzig Jahren treffen wir uns eh alle wieder in der Dortmunder Westfalenhalle und schauen uns BR/MC an, stilecht mit Lederjacke und Ray Ban.

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