Black Mountain – Forum Bielefeld, 2.6.08

von Hififi am 3. Juni 2008

in Feierlichkeiten

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Es ist schrecklich heiß und die Lust gleich in einem schwülen Club eine Lektion in harter, psychedelischer Musikkost erteilt zu bekommen, ist dementsprechend ein wenig gehemmt. Nicht aus zu denken, deswegen zuhause geblieben zu sein und ein Feuerwerk an 70s-Hardrock mit ganz viel Pink Floyd verpasst zu haben. Ca. 200 denken da genauso und sehen mit zunehmender Begeisterung eine Galavorstellung der Band um Stephen McBean.

„We are Thee Oh Sees from California“. So bescheuert wie diese Ansage ist dann auch der Bandsound des Vierers, der sich anscheinend gerne über eine amerikanische Erfolgsserie lustig macht. Thee Oh Sees sind heute Support und brennen ein Feuerwerk an ernsthaft geistesgestörter Musik ab, die dann doch die Meisten ein wenig verstört zurücklässt. Motörhead und die Beach Boys, The Raveonettes und Dick Dale, das ganze ohrenbetäubend laut und verzerrt. Vorbands müssen ja eigentlich nicht wirklich begeistern, dürfen halt nur nicht langweilig sein und das war hier mehr als nicht der Fall. Also Daumen hoch für Thee Oh Sees!

Im Gegensatz zum Support – der sich der guten, deutschen Gerstenkaltschale hingegeben hatte – nimmt Amber Michaels lieber ein isotonisches Kaltgetränk zu sich, sieht aber anfangs doch eher paralysiert aus. Ein wenig schüchtern steht sie dort vorn in der Mitte der fünfköpfigen Hippie-Kommune und rasselt mit ihrem Schellenkranz vor sich hin, bis sie dann ihr unnachahmliches Timbre auspackt und mir der erste Schauer über den Rücken läuft. Ähnlich beeindruckend ist das Gitarrenspiel des Bandleaders Stephen McBean. So klar, tight und gleichzeitig so unglaublich heavy (hätte ich jetzt auch nicht gedacht, dass ich diesen Begriff noch einmal gebrauchen würde) spielt er seine Powerriffs, die hier fast jeden den Kopf nicken lassen und sieht dabei einem Charles Manson zum verwechseln ähnlich. Wobei man das jetzt auch wieder nicht klar sagen kann, so besteht dieser Mann praktisch nur aus Haaren. Eckpunkte eines fast 90minütigen Auftritts sind, wie auch auf ihrem aktuellen Album, „Stormy High“, welches den Anfang macht, und „Bright Lights“. Dieser 16 Minuten lange Monolith lässt zu guter letzt keine Fragen mehr offen, lässt die letzte Kinnlade runterklappen und in mir und RockinBen die Überzeugung reifen, dass es Black Mountain in den 70ern wohl zu internationalem Ruhm gebracht hätten.

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1 RockinBen Juni 3, 2008 um 21:17 Uhr

Ja, was Musik nicht alles ausmacht! War total groggy und bin dann trotzdem hin und habe mich dann 35 Jahre jünger gefühlt! Sehr intensiv, sehr gut! Tolle Band, großartiges Konzert!

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