Biestig – Nebenan

von am 22. September 2009

in Musik!

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„Es ist zwanzig nach zehn / und ich reg‘ mich auf / weil du warst mal wieder deprie (sic!) drauf / Wir sind zusammen los und wollten abgehn / wie wär das schön.“

Bevor das nächste, nach jungem Blut lechzende Kulturblatt die beiden sechzehnjährigen Mädels aus Karlsruhe als neue junge Punkrockfrische auf den Titel hebt, wollen wir doch festhalten: Hier machen Teenies Musik für Teenies! Auch wenn Biestig musikalisch vom Label als von Social Distortion, Danko Jones oder den Adicts sozialisiert präsentiert werden, bleibt es doch stets Teeniemusik. Die Songs sind allesamt selbst geschrieben und holpern an manchen Stellen textlich und musikalisch. So gehört sich das auch für ein Albumdebüt, das zwanzig Minuten lang einen Eindruck von Proberaumsessions nach der Schule gibt. Für „Alles dreht sich“ wurde SoKos „I’ll Kill Her“ durch den Toten-Hosen-Wolf gedreht, der Rest pendelt zwischen grungigem Punkrock und Pop. Ist natürlich nicht ganz einfach für eine junge Girlpunkband, seine eigene Nische zu finden, wenn sie sich einerseits auf die großen Punkrockhelden beruft, aber ihre eigene Version eine Quasi-Miniaturvariante ihrer Vorbilder ist. In den Wenig-Akkorde-Punksongs geht es um die (erste) Liebe, Herzschmerz, Teenagerwut und den Traum von der großen Bühnenkarriere (Ja, die beiden wollen hoch hinaus, liebe Altpunks. Denn ein Unterschied zu damals ist, dass die Kids von heute geschnallt haben, dass sich Punkrock-Attitüde und fett Kohlemachen nicht von vorneherein ausschließen müssen. Wir waren da früher idealistischer, aber auch unrealistischer.) Insofern wird „Nebenan“ auch seine entlarvende Wirkung entfalten, denn trotz aller Unterschiede sind Bands wie Silbermond, Juli oder sogar Tokio Hotel (mancher scheint das tatsächlich nicht zu verstehen) nicht gerade für ein Publikum über dreißig zugeschnitten. Daher liebe Rockeltern, freut euch, wenn der Nachwuchs sein eigenes Ding dreht, aber taucht nicht massenhaft auf den Konzerten auf, oder singt sogar lauthals mit wenn es in „Leck Mich“ heißt: „Ich halt es nicht mehr aus / heute rast ich aus!“ Irgendwann sollte der Jugendwahn samt Identifikationsvermögen auch mal an seine Grenzen stoßen. Sicher, ihr habt eure eigene Initiationsphase nicht vergessen, aber so ein Szenario ist peinlich für alle Beteiligten. Früher war alles anders, und hoffentlich bleibt das auch so. Und nein, keiner will die alte Story hören, wie ihr damals Nirvana live gesehen habt.

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