Bevis Frond – Forum Bielefeld, 17.01.2012

von Hififi am 25. Januar 2012

in Feierlichkeiten

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Endlich – nach längerer Recherche ist es dem Schreiberling gelungen zu ergründen, was es mit einem Bandnamen wie Bevis Frond wohl auf sich hat. „Eigentlich heißt es nichts. Bevis ist ein walisischer Vorname und Frond ist der obere Teil eines Farnblattes“ lässt Nick Saloman in einem Interview mit dem Ox-Fanzine verlautbaren. Man selbst zweifelte da schon längst wieder an seinem verkümmerten Schulenglisch. Und weil wir schon von Schule reden, eine kleine Mathe-Aufgabe noch obendrauf: Bevis Frond gibt es seit 1986 und seitdem sind 22 Alben erschienen. So mussten also durchschnittlich nur wie viele Jahre ohne neues Album auskommen? Egal, eine beachtliche Quote allemal, obwohl sich die Begriffe Quantität und Qualität schon wieder von hinten anschleichen. Wiederum egal, denn wer bitte hat sie schon alle gehört, diese ganzen Alben? Jedenfalls sollte so ein adäquates Best Of-Set herausspringen, ein langes allemal, das kündigt sich bereits durch das Fehlen einer Vorband an. Und wie es sich für anständigen Psychedelic Rock gehört, geizen die Herren Saloman, Shaw, Simmons nicht mit ausladenden Soli und repetitiven Gitarrenriffs. Dass mit Adrian Shaw tatsächlich ein ehemaliger Bassist der sagenumwobenen Hawkwind zugegen ist, wird mir tatsächlich erst im Nachhinein klar. Da aber Hawkwind gelegentlich selbst nicht wussten, wer gerade in der Band war, lässt sich der kleine Fauxpas vielleicht verzeihen. Aber der eigentliche Protagonist ist und bleibt Nick Saloman, der sich schlichtweg allein verantwortlich zeigt für Musik und Text, die Bevis Frond-Band existiert also tatsächlich nur auf Tour. Salomon behauptet übrigens, dass nur gut ein Viertel seiner Songs bisher erschienen sind (22 Alben!!!). Nächste Mathe-Aufgabe: 22 Alben x ca. 12 Songs x 4 = 1056. Selbst wenn diese 1056 Songs alle scheiße wären, wäre das trotzdem immer noch eine beeindruckende Leistung. Im Übrigen sind sie nicht alle scheiße, was das ziemlich fantastische „Johnny Kwango“ unter Beweis stellt, dem Opener auf der aktuellen Platte „The Leaving of London“, die 18 Songs beinhaltet. (Mit 18 Songs ergibt sich eine noch viel „beeindruckendere“ Anzahl an unveröffentlichten Songs.) Salomon sieht aus wie eine Mischung aus einem Gorg und J Mascics, hat sich haarfarbentechnisch aber besser gehalten, seine Live-Gitarre spielt er ohne Monitor – was nicht optional zu sein scheint – und seine Anekdoten sind ebenfalls psychedelisch/ „verstrahlt“. Aber das Wichtigste: Er ist großer Beatles-Fan. Nach der Aussage läuft hier natürlich nix mehr falsch. Musikalische Übereinstimmungen zu den Fab Four gibt es immer dann, wenn der Salomansche Rock Richtung Indie Pop treibt, was durchaus gelegentlich vorkommt, und fesselnde Harmonien zutage fördert. Aber das bitte nicht zu oft, nein, nein. Zehnminütige Gitarrensoli, oder besser gesagt, dass sich Zuschustern besagter Soli, gehen ja ebenfalls nur begrenzt, wollen sich Bevis Frond nicht ihres Publikums entledigen. Aber diese zehn Minuten waren wirklich was Besonderes, Paul Simmons scheint das auch nicht jeden Tag zu erleben und schaut etwas ungläubig und amüsiert zu seinem Chef herüber der mit zugekniffenen Augen noch eine Extrarunde auf seiner monitorfreien Gitarre absolviert und den Staffelstab an Simmons übergibt. Und so geht das hin und her. Die Grauzausel im Publikum schließen ebenfalls die Augen und geben sich hin. Die Mischung macht es einmal mehr, die Mischung aus lupenreinen Indie-Melodien und dem psychedelischen Space Rock, der sich weder vor Hawkwind noch Monster Magnet verstecken muss und die Bevis Frond zu einem großartigen Live-Erlebnis machen.

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