Beth Hart – 37 Days

von Hififi am 9. November 2008

in Musik!

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Beth Hart macht die Sorte Blues/Pop/Rock, die in den USA ganz standesgemäß großen Erfolg hat und die in Deutschland traditionell ignoriert wird, denn die Musiksozialisation ist eine ganz andere. Amerika kann auf eine hundertjährige Blues- und eine fast ebenso alte Jazz-Historie zurückblicken, eine Geschichte der Unterdrückung, die die schwarze Unterschicht zur musikalischen Revolution bewegte. Wenn von deutscher Musik-Historie die Rede ist, ist meistens Nicole gemeint, die „uns“ den Gewinn des französischen Schwachsinns-Preises bescherte. Nichts desto trotz ist auch der Blues längst im amerikanischen Mainstream angekommen und irgendwelche „Weißbrote“ vermengen ihn dann mit dem guten alten Rock der Vorstädte. Das klang schon bei Eric Clapton ganz schrecklich langweilig und von Melissa Etheridge habe ich mich bis heute nicht erholt. Also gilt mal wieder „White Men Can’t Jump“?

Wollen wir es mal nicht schlimmer machen, als es ist, denn Frau Hart besticht durch sehr abwechslungsreiches Songwriting und variiert gekonnt zwischen den verschiedenen Stilen, die von ihrer einzigartigen Stimme getragen werden. Den Blues hat die 36-jährige zumindest am eigenen Leibe erfahren, als sie sich durch eine langjährige Drogensucht zurück ins Leben kämpfen musste. Janis Joplin hat das nicht geschafft, in dessen stimmlicher Nachbarschaft sich Beth Hart bewegt, gepaart mit einem emotionsgeladenen Vibrato in der Stimme, welches an Tracey Chapman erinnert. Einen großen Unterschied zu Janis Joplin gibt es indes, denn anders als die große Blues-Diva der 60er, zeigt Beth Hart eher in den ruhigen, sich steigernden Parts ihrer Songs ihre wahre Stärke, nur das sie trotzdem nicht an die Eindringlichkeit einer Tracey Chapman heran reicht. Trotz alledem ist z.B. „At The Bottom“ eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme ihres Kampfes und eine bewegende Ballade, aber solche 08/15-Rocker wie „Face Forward“, sind nicht nur textlich eine Zumutung, sondern auch musikalisch. „37 Days“ ist übrigens in genau dieser Zeut aufgenommen worden, bringt also eine Gewisse Ungeschliffenheit mit ins Wohnzimmer, die den meisten Produktionen der heutigen Zeit gut täte. Also, nicht alles falsch gemacht, aber vieles.

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