Bernd Begemann & Die Befreiung – Falkendom Bielefeld, 17.12.09

von Hififi am 20. Dezember 2009

in Feierlichkeiten

Post image for Bernd Begemann & Die Befreiung – Falkendom Bielefeld, 17.12.09

Eines morgens – und da geht es ja schon los… Gestern noch gelesen wie Thommy Lee den Tag begrüßt: Pisslache, ne dickbrüstige Alte daneben, aber dann erstmal nebens Bett reihern. Ich werde wach und habe alles schon falsch gemacht, weder Pisslache noch Brüste, dafür Kopfschmerzen, wenigstens ein Hauch von Rock’n’Roll. Zur Strafe dusche ich kalt, Außentemperatur -5 Grad Celsius, es ist 6.03 Uhr. Zu dieser Zeit des Tages – ach Quatsch Tag – sind mir Minuten noch wichtig. Ein paar Augenblicke später, ich sitze im Zug zur Arbeit – ein guter Bekannter erzählte mal, er hätte mich fast überfahren – der Körper ist ein Automatismus, der Mensch ein Gewohnheitstier. Ich gehe vor die Haustür, zu der Zeit fahren wenig Autos, also überquere ich erstmal die Straße (die Autobahn, wie ich liebevoll die Jöllenbecker nenne) und wenn doch, wird es halt knapp. Vom Kumpel überfahren, welch ein Tod, aber warum nicht, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern. Verdrängung ist der beste Freund des Menschen, deshalb hat der liebe Gott ja auch den Alkohol geschaffen. Lieber Thommy Lee, du hast nie versucht die Jöllenbecker zu überqueren, denn das ist Rock’n’Roll! Wenn ich einmal 65 bin und immer noch an der Autobahn wohne, kann ich sagen: „Ich habe mindestens sechs Monate meines Lebens an der Jöllenbecker gestanden“. Ich wollte nur Einkaufen oder zur Arbeit. Ostwestfalen kann so hart sein wie die Bronx. Gut, ich sitze im Zug, dem Ersten der fährt wohlgemerkt, ich sehe den Zwei Meter-Lulatsch, der gestern im Falkendom dem BegeBernd gelauscht hat. Wer den BegeBernd kennt, weiß was investigatives Musik-Entertainment bedeutet, kein Dieter Thomas Arsch, der Blumensträuße reicht. Bege „schafft es nicht mehr ins Kamp“, deshalb Falkendom – „Hefte raus, Klassenarbeit“. Der Falkendom; Verein zur Förderung der Jugendarbeit e.V. haftbeschränkt, also egal wie viele Besucher kommen. Früher war doch was mit sozialistisch, oder doch lieber sozial? Fängt gleich an, großer Unterschied: Sozialistisch = Rosa Luxemburg, sozial = Frank-Walter Steinmeier. Eigentlich können politische Ansichten 2009 kaum weiter auseinander liegen. Trotzdem sind sie alle da, das Outfit alternativ, ein Label wie alles andere auch, Sneaker und Jack Wolfskin. Begemann der ironische Katalysator, der uns alle vereint, denn wir kennen alle noch die 90er, „Kelley Family Feeling“, und jetzt alle zusammen. Die Songs sind gut, vergessen wir doch den Zusammenhalt, vor mir unterhält sich eine Beth Gibbons lautstark mit ihrer aufgedunsenen Freundin, Kaffeeklatsch mit Tannzäpfle. Raucherpause für den neuen Anzug, Etikette muss selbst im Jugendzentrum gewahrt sein. Nach der Pause verliere ich gänzlich das Interesse, Bege kann da gar nichts für, ich mag ihn sehr.

Als ich mal Anfang Zwanzig war, fuhren meine damalige Freundin, ein Kommilitone und guter Freund, mein kleiner Bruder und tatsächlich ich zum Stemweder Open Air, Umsonst und Dreckig, wie ich es gerne nenne. Punktlandung, Bernd spielt gerade „Free Fallin’“ von Tom Petty & The Heartbrakers“ für drei besoffene Asi-Punks, die tatsächlich vor haben von der Bühne zu springen. Aber da steht halt niemand, außer dem anderen besoffenen Asi-Punk, der wahrscheinlich lieber seine Sangria-Flasche festhält, als seine Kollegen aufzufangen. Bernd amüsiert sich köstlich, absolviert sein restliches Programm, niemanden interessiert’s. Seitdem (es muss so 2001 gewesen sein) bin ich Fan. Und da kann selbst Beth Gibbons nichts daran ändern!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Einen Kommentar hinterlassen

Previous post:

Next post: