Ben Folds – Way To Normal

von Hififi am 5. Oktober 2008

in Musik!

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Die Frage, um die sich bei Ben Folds immer alles dreht, ist, ob er wohl jemals wieder die Qualität von „Rockin’ The Suburbs“, seinem Geniestreich von 2001, erreichen wird. Wenn die Messlatte so erbarmungslos hoch liegt, muss man sich entweder neu erfinden, dramatisch scheitern, oder wie in diesem Falle, das Niveau halten. „Way To Normal“ beglückt seine Hörer, mit der gewohnten Mischung aus Power-Pop und süffisant/ ironischen Texten. Das Ben Folds einen Clown gefrühstückt hat, wurde im Vorfeld zum Album-Release einmal mehr klar, als er eine Fake-Version von „Way To Normal“ ins Internet stellte. Die Songs dazu spielte er in einer Nacht ein und ich kann ihn mir bildhaft vorstellen, wie er sich über die entstandene Verwirrung amüsierte. Schon als er 2004 mit Käpt’n Kirk (William Shatner) ins Studio ging, um dessen zweites Album zu produzieren, kamen einem ernsthafte Zweifel am Geisteszustand dieses Ausnahmekünstlers. In anbetracht dessen, dass William Shatner nicht für zwei Cent singen kann, ist „Has Been“ ein sehr charmantes Album geworden, dass Folds dem Käpt’n auf den Laib geschneidert hatte. Zuletzt war Folds mit Amanda Palmer, ihres Zeichens zuständig für Gesang und Klavier bei den Dresden Dolls, im Studio, um auch dieses Album mit Qualität zu versehen.

Wie ja typisch für Ben Folds steht auch auf „Way To Normal“ das Piano als absolut tonangebend und melodieführend im Vordergrund. Wer ihn schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass er dieses Instrument spielt wie kein Zweiter. (Na ja, vielleicht kann man am ehesten einen kleinen Vergleich mit Elton John ziehen). Und wie auch schon auf „Rockin’ The Suburbs“ besticht „Way To Normal“ durch eine gekonnte Mischung aus knalligen Pop-Granaten und wunderschönen Balladen. Wenn er zum Ende des Albums die „Kylie from Connecticut“ hochleben lässt, dann ist das nicht nur einfach schön, sondern mit Sicherheit eine der besten, jemals geschriebenen, Balladen, die die Pophistorie gesehen hat und „Cologne“ steht dem in nichts nach. Der Opener „Hiroshima (B B B Benny Hit His Head)“ könnte noch gut ein Überbleibsel der Fake-Songs sein, denn eigentlich erreicht er nicht wirklich die Qualität der restlichen Songs, dafür macht er mit seinem „Oh Oh Oh“-Refrain Spaß und Ben Folds hat wieder einmal den Schalk im Nacken. „Dr. Yang“ ist dann irgendwie Rock ´n´ Roll, voll geballter Power und lässt mich an eine Mischung aus Jerry Lee Lewis und dem, was Paul McCartney mal zustande gebracht hat, denken. In dieser geballten Form ist „Dr. Yang“ sogar für Ben Folds Verhältnisse relativ offensiv und damit keine Missverständnisse aufkommen, schickt er sicherheitshalber „The Frown Song“ hinterher, der in dieser Form auch auf „Rockin’ The Suburbs“ eine gute Figur gemacht hätte. Und so geht das weiter und wer einfach mal Lust auf zwölf perfekte Popsongs hat, der sollte hier zugreifen. Meisterlicher bekommt man das so schnell nicht noch einmal.

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