Beatallica vs. The Punkles – Forum Bielefeld, 10.5.06

von Sterereo am 14. Mai 2006

in Feierlichkeiten

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Da ja niemand von euch Beatles-Banausen es geschafft hat auch nur ein lausiges Zitat zu senden, musste ich die Karte doch tatsächlich an einen Zivi-Kollegen verkaufen. So habt ihr nun mal die einzigartige Chance verpasst die Beatles Klassiker im mörderischen Ramones-Tempo oder mit hetfieldischen Gejauchze zu hören.

Ein lauer Abend. Wir sitzen vorm Forum auf der Bank, mit zwei Beck’s Lemmon bewaffnet und warten darauf, dass der Krach im inneren des Etablissements anfängt. Gegen 21 Uhr ist es soweit. Die Punkles betreten die Bühne. Allesamt mit schlecht sitzenden Perücken, bepinnten Jackets und aufgerissenen – viel zu engen – Jeans. Schon scheppern die mit dem Union-Jack beklepten Gitarren drauf los. Beatles Songs in vierfacher Geschwindigkeit. Manchmal konnte man während des Refrains schemenhaft den Ursprungstitel erkennen – manchmal. Dennoch versöhnte zum Schluß „Hey Jude“ mit einer geil lauten Abschluss-Lärm-Chaos Orgie, wie es die Sex-Pistols nicht schöner hinbekommen hätten. Ob es Sir Paul und Konsorten gefallen hätte bleibt dahin gestellt. So bleibt uns in der Pause nur übrig den Begriff „Trash“ zu analysieren. Ich bringe gekonnte „Gozilla“ ins Spiel (wohlgemerkt das Gummipuppenoriginal aus Japan der 30er Jahre und nicht den Roland Emmerich Scheiß, denn der ist anders Müll). Denn diese Filme sind aus heutiger Sicht so schlecht, dass sie schon fast als künstlerisch und cool angesehen werden könnten. Das hätte auch fast für die Punkles gegolten, wäre nicht in dem Namen noch eine dritte Zweideutigkeit. Denn außer den Beatles und dem Wort Punk klingt es ohne das „p“ stark nach Uncles. Denn nahe dem Rentenalter braucht man sich auch nicht mehr mit schlechten Coverversionen zum Horst zu machen.

Eigentlich dachte ich, dass Beatallica als erstes spielen würden, und es um die Punkles ginge. Dann fiel es mir aber ein, es ist Beatallica vs. The Punkles und der Champion wird immer zu erst genannt. Na dann: ready to rumble! Die erste Runde wurde direkt mit „Sandman“ (Komposition aus „Enter Sandman“ und „Taxman“) eingeläutet. Manchen (wie ich) konnten sich ein grinsen an dieser Stelle kaum verkneifen, so abwegig ist der Text, verrückt die Melodie und energiegeladen die Performance. Auch die Optik stimmt, Sänger Jaymz Lennfield hat nebst langen Haaren und schwarzer Kluft eine kreisrunde Kassenbrille mit gefärbten Gläsern auf der Nase. Und so reihten sich die „Hitz“ aneinander: „The Things That Should Not Let It Be“ (bester Songtitel überhaupt), „Blackened in the USSR“, „Hey Dude“, „And I’am Evil“. Alle übrigens gratis und frei zum download auf beatallica.org zu beziehen. Das meist dunkel gekleidete und langhaarige Publikum nahm die Einladungen zum Headbangen gerne und oft an. So drehte der Bassist mit „JBO“ T-Shirt bei „Hey Jude“ kurzerhand sein Mikrofon nach vorne und ließ von zwei Stiernacken recht schief den „Na Na Nananana“-Part vertonen: Wundervoll. Großartig auch das Intro zu „Sgt. Heatfield’s Motorbreath Pub Band“. Der neue Song ist eine alberner Zusammenschnitt vom Instrumentalen „Call of Cthulu“ und „I Want You (She’s so heavy)“ mit dem Refrain: „Cthulu / Cthulu so much“. Ein Ohrwurm und Beitrag zu Trash-Debatte. Dann versucht sich die Band zum ersten Mal von der Bühne zu schleichen. Doch die Chorknaben von „Hey Jude“ sind ihnen mit einer Ladung Jägermeister zuvor gekommen. So dass sie nicht anders konnten als die zweite Runde einzuläuten. Nach den nächsten zwei Songs, wo einer etwas mit „Helter Skelter“ zu tun gehabt haben muss, wird der nächste Versuch unternommen von der Bühne zu kommen. Doch die „Zugabe“-Rufe blieben nicht unerhört. So wurden die wahrscheinlich letzten verblieben Songs (einer „For Horseman“) gespielt. Der Sänger schreibt anschließend in seinen Weblog

:

bielefeld was the surprise gig of the tour so far. it was really a nice show. the staff there was amazing, with great grub, and very helpful. and the attendees were really supportive. somehow, i got through that one. divine intervention, i think. i had taken an antihistamine the nite before and that usually screws me for about 14 hours. i would say it was the toughest gig i’ve ever done with beatallica. thanks to the folks there for pushing me to do 2 encores!

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