Band of Skulls – Interview

von Sterereo am 26. Januar 2010

in Interviews

Irgendwie denkt man bei eurem Namen zuerst an jungfrauenbluttrinkende Gothic-Knallköpfe…

(lachen) Jungfrauenblut!

… Was waren die verrücktesten Gestaltet die ihr jemals treffen durftet?

Russell: Der verrückteste? Unser Italienischer Tourfahrer. Er ist wirklich nett, aber er hat nur Unsinn im Kopf.

Matt: Er ist ein Störenfried!

Russell: Du kannst es an seinen finsteren Augen erkennen. Direkt danach kommen die Leute aus Hamburg. Die kamen auf die Bühne gesprungen und fingen an sich zu prügeln und wild zu moshen. Total verrückt! Männer mittleren Alters. Sehr seltsam.

Zurück zum Jungfrauenblut. Vampire und Werwölfe stehen auch auf sowas und jetzt hattet ihr einen Song auf dem „New Moon“-Soundtrack…

Emma: Gute Überleitung!

Matt: Ja. Also damals hatten wir einen Demo-Song, der irgendwie zu den Twilight-Leuten gekommen sein muss. Er heißt „Friends“. Es war wirklich nur eine Demo. Als wir in den USA dann eine Zeitschrift in der Hand hielten stand dort, dass wir auf den Soundtrack kämen. Sehr cool.

Russell: Als der Soundtrack dann erschien tourten wir mit Death Cab (For Cutie, Amn.), Sea Wolf und anderen durch L.A., Vancouver, Toronto und London. Es war großartig. Wir konnten spielen und haben den Film auf der Premiere gesehen. Danach haben wir gespielt. Sich mal zwei Stunden hinzusetzen ist schon eine echte Pause für uns. (lachen)

Steht ihr denn auf Vampire und Werwölfe?

Russell: Nicht wirklich.

Emma: Wir stehen eher auf Science-Fiction.

Russell: Ja, so alte aus den 50ern, wo du die Drähte sehen kannst.

Obwohl es auch eine Menge wirklich schlecht gemachter Horror-Filme gibt.

Russell: Klar, diese ganzen Hammer-Horrors aus den 60ern oder 70ern.

Was ist mit der Twilight Zone.

Russell: Eher weniger.

Emma: Ich habe Twin Peaks geschaut.

Russell: Bei mir war es eher Zurück in die Zukunft. (lacht) Du siehst schon, wir schauen eher Popcorn-Filme.

Emma: Wir haben früher Konzert in einem alten Kino organisiert. Der Club heißt „Club Skulls“ und hat so ein Hamlet-Motiv von Shakespeare mit dem Schädel.

Russell: Eigentlich wollten wir die Band nur Skulls nennen, aber da gab’s irgendwie Probleme. Keine Ahnung, vielleicht mit der Googlesuche. Jetzt heißt’s Band of Skulls.

Daher also der Name! Ihr hättet euch auch was nettes einfallen lassen können für eure Großeltern, wie Band of Hushpuppies oder so etwas

Russell: (lacht) Hushpuppies? Wärst du damals auf dem Meeting gewesen! Wir hätten jetzt ein komplett anderes Poster. (lachen)

Vorher hattet ihr noch einen anderen Namen: Fleeing New York. Seit ihr schon einmal in eine Situation gekommen, wo ihr einfach nur flüchten wolltet?

(blicken sich an, dann:) Emma leise: Russland?

Russell: Hier müssen wir gaaanz vorsichtig sein. Ich mag Russland!

Matt: Ja, wir sind in Moscow einmal in eine sehr beängstigende Situation geraten.

Russell: Das war in einem Skigebiet, aber während des Sommers. Wir sollten auf einer Geburtstagsparty von irgendwelche Sechzehnjährigen spielen. Ganz alleine sind wir los, nur wegen einer E-Mail von Myspace. Wir haben uns gesagt: „Fuck it. Let’s go!“ Unsere Touren sind jetzt wirklich sehr organisiert, aber das war ein echtes Abendteuer. Das war krass. Die hatten dort Knarren. Ich hoffe um uns zu schützen – du weißt, die Verständigung ist manchmal schwierig. Aber ich will nichts falsches sagen. Es waren sehr nette Leute (grinst nervös)

Sag nicht’s falsches, sonst findet die die russische Mafia.

Russell: Nein, nein. Es war eine wirklich spannende Erfahrung. (hustet)

Lasst uns lieber wieder auf die Musik kommen, schließlich ist die sehr abwechslungsreich und wir möchten auch in Zukunft mehr davon. Ihr habt verschiedene Stilrichtungen auf „“. Bei euch scheint niemand alleine für das Songwriting zu ständig zu sein.

Matt: Wir schreiben gemeinsam an den Songs. Erst jeder für sich und wenn wir dann zusammen kommen arbeiten wir zu dritt daran.

Russell: Niemand ist für die Rocksongs zuständig. Jeder von uns hat soetwas in sich. Es ist nicht so, dass Emma die Rockröhre bei uns ist. Vielleicht emotionaler Rock. (lachen) Nein, wir befinden uns dann in einem Wettbewerb. Wer hat die besten Songstücke parat? Es bringt uns dazu unser bestes zu geben, denn der Rest landet auf dem Müll.

Matt: Einmal um die komplette Welt und wer zuerst zurück ist, der gewinnt.

Russell: Genau so.

Also kein kompletter Song von einem von euch alleine auf dem Album.

Russell: Nein! Die anderen nehmen dich auseinander und schreien: Nein! Nein! Nein! Das ist Scheiße, das auch! Am Ende bleibt vielleicht ein kleines Bisschen übrig. Eine Note. Dann denkst du: Yeah, ich hab’s geschafft.

Findet ihr es nicht irgendwie seltsam, dass das Album, was ihr vor Monaten aufgenommen habt und seit einem halben Jahr in England und den USA zu kaufen ist, erst jetzt in Deutschland rauskommt?

Matt: Wir haben verzweifelt darauf gewartet, dass es endlich hier rauskommt.

Emma: Es war niederschmetternt, dass es so lange gedauert hat.

Matt: Uns fehlte die Zeit es mit einer Tour und genug Promotion zu verbinden. Wir machen schon so viel gleichzeitig, aber es ging einfach nicht früher.

Russell: Seit April sind wir auf Tour. Ohne Pause! Nur zu Weihnachten hatten wir wenige Tage frei. Du siehst, wir sind so schnell wie möglich hergekommen. Schließlich müssen wir wenigstens ein paar Shows spielen, wenn das Album hier erscheint. Wir sind so schnell hergekommen, wie wir konnten. Es ging nicht früher. Entweder wir machen es ganz, oder gar nicht.

Dabei habt ihr tolle Songs auf der Platte. „Death By Diamonds And Pearls“ ist einer meiner persönlichen Favoriten. Klingt sehr nach den White Stripes. Wie oft musstet ihr euch das schon anhören?

Matt: Ein paar Mal.

Russell: Es könnte schlimmer sein. Ich verstehe das, schließlich ist es ein einfacher Anhaltspunkt. Wer die White Stripes mag, wird uns höchstwahrscheinlich auch mögen. Das geht in Ordnung, schließlich ist es eine Band, die wir cool finden. Wir respektieren sie sehr. Ich hoffe trotzdem, dass unsere Band ihre eigenen Aspekte in der Musik hat.

Dafür wechseln sich die weniger Garage lastigen Songs zu sehr ab, als das jemand behauptet würde ihr wärt jetzt „die neuen White Stripes“.

Russell: Sagst du!

Emma: Das passiert recht häufig. Klar, wenn du dir nur zwei Songs anhörst. Am besten nur die ersten Beiden der Platte, dann kannst du den Eindruck kriegen.

Russell: Wie gesagt, es könnte schlimmer sein. Schließlich mögen wir die White Stripes.

Emma: Deine Einflüsse haben letztendlich immer etwas mit der Plattensammlung der Eltern zu tun. Bei mir war es viel Blues und Rock ‚n’ Roll von meinem Vater. Irgendwann interessiert dich diese Musik. Als ich älter wurde, war es mehr die Popmusik, der ganze Britpop. So kombiniert sich bei uns dieser unterschiedliche Sound.

Russell: Ich denke dort liegt unsere musikalische Schnittmenge. Bei den alten amerkanischen Aufnahmen, also im Blues und Southern-Rock. Das ist sozusagen das Fundament bei uns.

Ziemlich roh und laut ist auch „Pattern“. Wo Emma diese Aufzählungen sing.

Emma: Ja, das basiert jedoch auf einen alten, englischen Abzählreim für Kinder. Darin geht es um Vögel. Siehst du eine Schwalbe steht es für Kummer, siehst du zwei steht es für Freude und so weiter. Ich habe es etwas verändert. Jetzt klingt es fieser.

Russell: Jetzt ist es nicht mehr zwingend für Kinder (lachen)

Emma: Klar, ganz eindeutig steckt dort jetzt eine höhere Absicht dahinter. Weißt du, die Leute folgen immer einer bestimmten Muster.

Habt ihr solchen Ablaufplan in eurem Leben.

Russell: Absolut. Der geht so: Aufwachen im Hotel, Leute die einen früh wecken, dann sechs Stunden auf der Straße sein, Aufbauen, mit Leuten wie dir sprechen, die Show spielen und anschließend eine Bar finden um sich voll laufen zu lassen.

Der Song erinnert mich übrigens ein wenig an die Blood Red Shoes. Die sind auch aus Südengland. Kennt ihr euch?

Emma: Nein, nicht persönlich. Ich habe allerdings ihren Auftritt in Southhampton gesehen. Die sind gut zu zweit. Der Drummer singt sehr viel, das ist beeindrucken.

Aber zurück zu euch. Bei “Death By Diamonds And Pearls“ geht es um diese piekfeinen, reichen Gören…

Russell: Du bist der Erste, der es erraten hat! „Posh Girls“. Ätzend.

Also warst du eher nicht in der populären Clique in der Schule.

Russell: Nein, eher das Gegenteil. Ich habe mal solche Leute getroffen. Sie waren sehr nett zu mir und sie führten mich zu einem Club aus. Ich würde nicht sagen, dass ich sie hasse, aber ihr Leben ist komplett unterschiedlich von meinem. Eigentlich wollten wir nur auf ein Bier, doch dann hieß es sofort: VIP-Area, Grey Goose-Vodka und persönliche Kellnern. Irgendwann sagte jemand: „Sollen wir bleiben oder lieber in unsere Suite im Sheraton Hotel?“ Das war mir eine Warnung. Ich habe nicht vor so zu werden.

Du hast dich gegen die Millionen entschieden und lebst lieber auf der Straße mit deiner Band.

Russell: Genau dazwischen habe ich mich entschieden. (lacht)

Vielleicht geht ja noch die Platte durch die Decke und Death Cab for Cutie eröffnet für euch.

Russell: Oder wir dürfen für Blood Red Shoes eröffnen. Das wäre auch super.

Möglicherweise lesen sie das Interview.

Russell: Ja, meldet euch! (lachen)

Eine Sache interessiert mich jetzt noch. Wie hast du dir so einen schönen Bart wachsen lassen?

Emma kichert

Russell: Wen fragst du?

Naja, beide.

Matt: Pah, du willst nur höflich sein. (schüttelt den Kopf und grinst, lachen)

Russell: Pass auf, so sieht es aus. Matt ist eigentlich etwas jünger als ich, aber wenn er sich nur wenige Tage nicht rasiert hat er diesen mächtigen Bart und sieht aus wie Moses. Dagegen musste ich wirklich hart dafür arbeiten. Was du hier siehst ist im Prinzip eine komplette Tour, also seit April, die ich mich nicht rasiert habe. Der Grund dahinter ist, dass meine Mum Mitleid mit mir hat und mich besonders umsorgt. Ich habe ihn nur weil ich Sympathie damit erhaschen möchte. Es ist ein Sympathie-Bart.

Scheint in letzter Zeit in Mode zu kommen. Ich denke da an Devendra Benhart und William Fritzsimmons.

Russell: Ach, es ist einfach nur Faulheit. Außerdem ist Deutschland, Belgien und Holland so kalt im Winter. Es wärmt meine Stimmbänder. Es ist ein sehr professioneller Bart. Versichert auf eine hohe Summe! (lachen)

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