Babyshambles – Shotter's Nation

von Benjamin am 20. Oktober 2007

in Musik!

Post image for Babyshambles – Shotter's Nation

Ein Album wirft Fragen auf: Soll man es sich kaufen, wo man doch weiß, dass der Hauptsongschreiber der Band sein Geld in Drogen investiert?! Kann man es moralisch verantworten, dass man eine Band unterstützt, in deren Studio eine Mutter Koks schnupft und v.a. wenn ein Foto davon in die Medien gelangt, dann ist das – in meinen Augen – ein Grund eine Band abzulehnen. Aber auf der anderen Seite: Gute Rockmusik war noch nie drogenfrei und hier haben wir es mit sehr guter Rockmusik zu tun. Also sprechen wir von Musik.

Shotter’s Nation ist eigentlich das Album, was man von den Babyshambles erwartet hätte als man sich Down in Albion gekauft hat. Warum? Shotter’s Nation und Waterloo to anywhere der Dirty Pretty Things in den Mixer und man hat das Debüt der Libertines. Aber zum aktuellen Werk von Peter Dohertys Band. Melodien, Gitarrenspiel, ein paar Ideen und zurückgelehnter aber etwas desorientierter Rock mit Hinweisen auf die britische Rockmusikgeschichte (The Clash, The Kinks). Gewagte musikalische Experimente gibt es nicht, wenn man mal vom jazzorientierten „There she goes“ absieht. Der Song befördert einen direkt in eine verrauchte Kellerbar und die Band in verschlissenen Anzügen bearbeiten mit flinken Fingern Kontrabass, Jazzgitarre und Percussions während der Sänger leidend Zeilen über die vergangene Liebe singt.

„Crumb Begging Baghead“ könnte sogar ein Tanzflächenhit werden: eine Orgel, die in die Beine geht, das Tempo etwas angezogen und zwischendurch Handclaps, die den Rhythmus unterstützen. Besser können das die Artic Monkeys auch nicht. Die erste Single „Delivery“ hat – wenn man die Handclaps abzieht – ähnliche Auffälligkeiten. In „You talk“ fällt die Stimme Peter Dohertys (steht so im Booklet) kurz ins Falsett. Der Song zeichnet sich, wie drei weitere Stücke – durch die Co-Autorschaft eines bekannten Models aus. Diese gescheiterte Beziehung zu ihr wird auch in den Texten bemüht. Den Namen kennt jeder und was auch jeder kennt, sind die Namen der Bands, mit denen der Produzent des Albums Stephen Street gearbeitet hat: The Smiths, Kaiser Chiefs, The Cranberries, Blur uvm.

„Unstookie Titled“ zitiert kurz „Fuck Forever“ vom ersten Album, in „Baddie’s Boogie“ hört man eine Mundharmonika und beim abschließenden Song „Lost art of murder“, welcher ohne Stromgitarre auskommt, scheint Doherty sich selbst aufzufordern sein Leben endlich zu ändern. Wen die Reggae-Ausflüge oder die Zerrissenheit der Songs des ersten Babyshambles-Album gestört haben, der kann hier zugreifen. Wer das zweite Werk der Libertines liebt, der muss hier zugreifen.

So ganz kommt man aber wirklich nicht vorbei an Drogen, wenn man das Album besprechen möchte, v.a. da Shotter auch ein britischer Slangbegriff für einen Drogendealer ist.

Share Button

{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon Oktober 21, 2007 um 14:23 Uhr

Naja, der Pete ist jetzt wohl runter von den Drogen, aber zugleich auch ziemlich fett geworden, wie ich auf einem Foto in der aktuellen GALA gesehen habe!
So fett, hohoHO, ist das neue Babyshambles Album allerdings nicht, find ich. „There she goes“ ist aber tatsächlich ein schöner Song und ragt aus dem üblichen 08/15-Rock heraus!

2 RockinBen Oktober 21, 2007 um 19:59 Uhr

Wollte mal schnell auf einen Supersong der Indelicates zum Thema hinweisen: Waiting for Pete Doherty to die
Als Demo-Version gibts den hier für lau:
[URL]http://indelicates.com/media[/URL]

Previous post:

Next post: