Auletta – Interview

von LittleMissPipedream am 24. November 2009

in Interviews

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Auletta. Das ist Indie-Pop aus Mainz. So steht es auf ihrer Myspace-Seite geschrieben. Seit ich die Jungs zum ersten Mal live gesehen habe, stört mich diese Beschreibung. Aus diesem und einigen anderen Gründen habe ich mich mit Sänger/Gitarrist Alex und Gitarrist Martin vor ihrem Aufritt im Falkendom am 22.10.2009 zum Interview getroffen und über Indie, Pöbelei, Mixtapes und vieles mehr geschnackt. Wir setzen uns also in einen kleinen, mit zwei Sofas bestückten Raum und nachdem die Platzwahl endlich geklärt ist, geht es auch schon los.

Ihr seid momentan ordentlich auf Tour. Macht ihr noch etwas nebenbei? Ich hab gelesen ihr studiert? Oder ist da keine Zeit mehr für?

Alex : (lacht) Offiziell doch, also wir haben alle studiert oder waren eigentlich am studieren und jetzt geht das nicht mehr… zeitlich. Aber wenn wir wieder ein bisschen mehr Zeit haben, vielleicht studieren wir auch wieder. Interesse ist ab und zu da, wenn’s nicht zu tief geht. (lacht)

Wie sieht ein Tour-Tag bei euch aus?

Alex: Unterschiedlich! Nee, eigentlich gar nicht unterschiedlich. Kommt drauf an wie weit wir fahren müssen. Wenn wir weit fahren müssen, können wir nur kurz schlafen. Wenn wir nicht weit fahren müssen, können wir länger schlafen. Ansonsten: Schlafen, Frühstücken, in den Bus setzen, weit oder kurz fahren, ankommen, auspacken, aufbauen, Soundcheck, essen, trinken, spielen, richtig viel trinken (allgemeines Gelächter) und dann schlafen gehen.

Vielleicht ne blöde Frage, aber was ist das geile am Live-Spielen?

Martin: The Blues! (Spielt auf der Akustikgitarre, die er die ganze Zeit dabei hat) Nee, also das spielen an sich, klar. Es macht halt echt Bock wenn die Leute die Texte kennen, dann geht’s ab!

Alex: Jetzt haben wir schon 20 Konzerte, glaub ich, gespielt von der Tour und was cool ist, man merkt, wenn man besser eingespielt ist als Band dann macht’s richtig Spaß. Heute war nen guter Soundcheck. Wenn man gut zusammen spielt und die Leute haben wirklich Bock drauf und gehen nen bisschen aus sich raus – und wir gehen immer aus uns raus – dann macht’s echt Spaß. Das wichtige ist, wir geben was, die Leute geben was und dann wird’s immer nen guter Abend eigentlich!

Also ist es dann besser in so kleinen Läden zu spielen oder z.B. Festivals?

Martin: Das ist immer was du gerade nicht hast! Ich denk mir jetzt: Wäre schon mal geil wieder, wie bei den Festivals, vor richtig vielen Leuten zu spielen. Aber bei den Festivals hab ich dann im Sommer irgendwann gedacht, ich würde lieber mal wieder wie jetzt spielen. Das ist beides cool. Was man nicht hat, das will man.

Was ist eure Definition von Indie?

Alex: Indie?

Ja, ihr seid ja bei einem Majorlabel und kann man dann überhaupt noch „Indie“ sein?

Alex: Ich weiß nicht, wir waren glaub ich noch nie Indie, und werden’s wahrscheinlich auch nie werden. Naja, ist gerad wahrscheinlich fashionable Indie zu sein, also von der Musikrichtung. Weil der Ursprung… also da können wir ja gar nicht drunter zählen, weil wenn du bei einem Indepent-Label bist oder noch besser: selbst alles irgendwie machst… und nee, das machen wir nicht. Ich glaub vielen Leuten hilft’s um uns irgendwie in eine Schublade zu stecken. Also ich würd keinem den Kopf abbeißen, der sagt wir machen Indie, aber Indie… ist ein bisschen H&M.

Aber das bringt mich zur nächsten Frage, denn jedes Mal, wenn ich im Zusammenhang mit euch „Indie-Pop“ höre, denke ich mir: Was ist das denn mit dem Pop? Ich find ihr macht schon eher Rock!

Martin: Ja, Pop ist aber auch so furchtbar in Deutschland belastet. Also das ist ja gar nicht so…also in anderen Ländern ist das auch gute Musik.

Stimmt! Aber wo hört denn Pop auf und fängt Rock an?

Alex: Ich glaube, als es darum ging diese Beschreibung zu machen, kam die Diskussion auf „Indie-Rock“ und das war irgendwie schon ein bisschen abgenutzt. Deswegen war das wohl adrett „Indie-Pop“ zu nehmen, keine Ahnung. Ich seh’s ähnlich wie du. It’s Rock’n’Roll… basically! (Allgemeines Gelächter) Ja, dass ist halt jetzt fashion.

Macht ihr das deswegen, weil’s „fashion“ ist?

Alex: Ja, klar. (Lacht) Nee, quatsch!

Also gibt’s keine Auletta-Shirts bei H&M?

Alex: Das wurden wir auch schon mal gefragt… oder ich hab mich mal ziemlich aufgeregt über Bands die ihre T-Shirts bei H&M verkaufen. Keine Ahnung, ich glaub nicht dass wir in die Versuchung kommen. Keine Ahnung, das ist irgendwie schwierig… Indie. „Indie-Boy and Indie Girl“!

Martin: Letztens beim Wombats-Konzert…

Alex: Letztens zu „Joy Division“! Let’s dance to joy divison!

Genau, „let’s celebrate the irony“, jaja. (Anm.d. Verf.: Auletta-Textzeile im Lied „Roboter“)

Alex: Ich hab das Dokument noch, das ist anno Neunzehnhundert… (denkt nach) ich hatte sogar vor den Red Hot Chili Peppers schon… irgendwas.

Martin: „Under the bridge“!

Ich hab vor zwei Jahren ein Lied geschrieben mit der Akkordfolge D-Moll, B-Dur und so weiter…

Alex: Das ist doch ein Lied von uns!

Caro: Ja, eben! Da kannte ich euch noch gar nicht.

Martin: Aber wir kannten dich, denk mal darüber nach!

Alex: Ja, wir klauen wie die Raben. Ich wurde gestern in Mainz angepöbelt: „Hallo! Ihr klaut von englischen Bands, hallo!“ (allgemeines Gelächter) Wir haben ja auch noch anderes zu tun, das würde ja den zeitlichen Rahmen sprengen, wenn wir uns das alles selbst ausdenken müssten.

Wär nicht fashion!

Alex: Wär nicht fashion… nächste Frage! (Lacht)

Gibt es eine bestimmte Band oder Musik, die euch inspiriert hat Musik zu machen?

Alex: Ja, auf jeden Fall. Also von der Art Musik zu machen, die Attitüde, also was uns beide extrem weggeflasht hat (allgemeines Gelächter) waren The Libertines.

Martin: Da hatten wir zeitweise sogar den Bewegungsapparat von denen drauf.

Alex: Ich fand das war frisch. Die Power und so, das hat mich direkt angesteckt. Ich fand erst die Band cool und dann erst die Musik… Ich hab mich da so langsam reingefühlt. Also es gibt noch andere auf jeden Fall, aber das war so die zeitgenössischste. Ansonsten: Ist eine lange Liste.

Wie lange spielt ihr eure Instrumente schon?

Martin: Seit wir 15 sind.

Alex: Wir kommen eigentlich alle aus recht musikalischen Familien und dann war’s gefühlte Pflicht ein Instrument zu spielen. Ich war sogar in der musikalischen Früherziehung!

Oho!

Alex: Aber ich durfte kein Schlagzeug lernen, weil’s zu laut war, deswegen hab ich Geige gespielt.

Cool!

Alex: Jetzt kommt’s richtig gut bei den Mädels, früher hab ich mich geschämt. Wir waren alle auf einer katholischen Jungenschule, alle vier.

Jetzt im Ernst?

Alex: Ja, kein Scheiß!

Martin: Was glaubst du warum wir jetzt hier sind?

Alex: Das ist alles Therapie quasi! Naja und da war eine Mädchenschule nebenan direkt und ich musste immer mit meiner Geige da vorbei um in meine Schule zu kommen und dass war mir so unangenehm irgendwann, dann hab ich’s leider wieder gelassen mit der Geige. Nee, also wir machen alle schon lange Musik. Die anderen Zwei auch!

Wer spielt auf der Platte Klavier? Ist das einer von euch?

Alex: Wo haben wir denn Klavier? Wir haben immer nur so Klimper-Klavier dabei, bei den ruhigeren Liedern. Der Jusch (Anm.d.Verf.: Der Schlagzeuger) spielt einmal Klavier bei der „Blauen Blume“. Genau da spielt er Klavier und ich Gitarre und singe. Und, einmal unser Co-Produzent Aki Bosse, der spielt dieses Ein-Finger-Klavier bei „Herz von Herz“.

Kann es sein, dass bei „Heimatmelodie“ eine Orgel dabei ist?

Alex: Ja! Hundert Punkte!

Wer spielt die?

Martin: Live hab ich so nen Effekt! (allgemeines Gelächter)

Wie schreibt ihr eure Lieder?

Alex: Wir zwei schreiben die Lieder. Entweder bei ihm oder bei mir.

Martin: Kommt auf die Nachbarn an. (Lacht)

Alex: Wir geben denen immer so Entspannungsphasen und Powerphasen. Nee, ist unterschiedlich. Meinst du, wie wir die Lieder schreiben? Also mal haben wir einen Text zuerst, mal nur eine Zeile oder ein Wort, mal eine Melodie…

Martin: Mal haben wir nen Rhythmus, also ne Schlagzeugidee.

Alex: Manchmal sehe ich eine Farbe! (allgemeines Gelächter) Nee, echt ganz unterschiedlich.

Wie ist das mit neuen Songs? Oder seid ihr da noch gar nicht mit beschäftigt?

Alex: Wir spielen sogar heute schon zwei neue Songs. Ich glaube, für die Leute ist das immer beschissen. Mir geht’s so, wenn ich eine Band zum ersten Mal sehe, will ich die Lieder vom Album hören. Mich nervt’s immer komplett wenn die was Neues spielen, aber uns geht’s schon bei der ersten Tour so, dass wir neue Sachen einbauen. Aber wir wollten das, um dass Programm einfach länger zu machen. Sind wir auf jeden Fall jetzt schon dran und das zweite Album muss ja schon übernächstes Jahr aufgenommen werden. Die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Album ist logischerweise viel kürzer, für das erste Album hast du ja dein ganzes Leben Zeit.

Wie lange dauerte denn eure Studioproduktion?

Alex: Das ging recht schnell.

Martin: Drei Wochen.

Habt ihr das live eingespielt?

Alex: Ja, klingt zwar leider nicht mehr so, aber es ist tatsächlich live eingespielt. Bis auf ein paar Gitarren-Over-Laps und den Gesang halt. Das Gerüst ist auf jeden Fall alles in einem Raum mit Schweiß und Fluchen und Beißen und Kratzen eingespielt. Wir mussten meine ganzen Fluchschreie muten danach. Wenn ich alle beschimpft habe. (Lacht)

Bist du ein bisschen cholerisch?

Alex: Ja! (Allgemeines Gelächter)

Martin: Auf eine liebe Art und Weise! Das ist etwas sehr Gutes. Ich finde es auch wichtig, dass man seine Aggressionen raus lässt.

Wisst ihr schon welcher Song die nächste Single sein soll? Wenn nicht, darf ich einen Wunsch äußern?

Alex: Äußere doch erstmal deinen Wunsch!

Entweder „Roboter“ oder „Schrei und Tanz!“

Alex: „Schrei und Tanz“ war ganz am Anfang eine Teaser-Single, was auch immer das ist. Die haben wir verschenkt, deswegen fällt das schon raus. „Roboter“ wollten wir eigentlich auch, das wär eigentlich unser Wunsch gewesen. Aber unsere Berater, (lacht) der weise Rat will „Pöbelei und Poesie“.

Wie ist das mit älteren Songs?

Alex: Als klar war, dass wir ein Album machen – also wir haben früher so EPs gemacht, in Eigenregie unter ganz schweren Bedingungen – aber als das klar war, haben wir alle Songs, die in Frage kommen auf ein großes, weißes Blatt geschrieben und haben uns nochmal schlafen gelegt. Manche Songs wurden umgeschrieben, musikalisch oder textlich. Alles was wir cool fanden, ist geblieben und alles was uns nicht so gefallen hat, konnten wir nochmal umändern. Also jetzt ist der älteste Song knapp drei Jahre alt.

Habt ihr früher auch schon andere Musik gemacht oder wart ihr immer schon in der Richtung unterwegs?

Alex: Indie! (lacht)

Martin: Ja, wir haben viel rumprobiert.

Alex: Auf jeden Fall verschiedene Sachen.

So, letzte Frage: Wenn ihr ein Mixtape wärt, welche Lieder würdet ihr wiedergeben?

(Beide fangen gleichzeitig an „Salt of the earth“ von den Rolling Stones zu singen.)

Alex: Wir haben das schon zweimal für Radiosender gemacht. Das macht immer Spaß, ich könnte mich da tagelang mit befassen. Dann schicke ich das Martin immer rüber, und frage ob’s gut ist.

Martin: Ich freu mich immer und leg’s direkt ein.

Alex: Aber was hatten wir denn alles dabei? Wir hatten Velvet Underground („All Tomorrows Parties“), David Bowie, Bob Dylan, Clueso, Glasvegas,

Martin: Vampire Weekend, Libertines…

Alex: M.I.A. mit „Paper planes“, alles „indisch“. (lacht) Nee, das macht echt Spaß, ich könnte das beruflich machen, für Radios immer so Mixtapes zusammenstellen mit so Sprüchen und kleinen Geschichtchen drum herum.

Ach so, Martin, eine Freundin hatte eine Frage: Ist der Schnurrbart echt?

(Gelächter)

Martin: Ja, der ist echt, das Ding ist nur, der war geschwärzt. Ich hab in so nem Irish Pub Hausverbot und ich hab mich verkleidet um da rein zu kommen. Dann hatte ich einen schwarzen Schnurrbart und einen Hut. Und deswegen sieht der gerad so ein bisschen unnatürlich aus.

Alex: Ich find den auch hammer. Total Indie-Rock der Bart!

Martin: Fast schon H&M.

Alex: Der Herbst wird Hippie!

Martin: Dann ist Indie nämlich C&A!

Ja, hätten wir das ja geklärt. Dann vielen Dank für das Interview!

Alex: Sehr gerne!

Fotos: auletta.de

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