Athlete – Beyond the Neighbourhood

von am 29. November 2007

in Musik!

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Spätestens seit ihrer Deutschland-Tour mit Travis dürften Athlete in Deutschland vielen ein Begriff sein. Diese Verbindung zu Travis war auch nicht ganz unschuldig am Erfolg des zweiten Athlete-Albums „Tourist“, das als Nummer 1 Album im UK auch den endgültigen Durchbruch für da Quartett aus dem Londoner Stadtteil Deptford bedeutete. Natürlich wurden Athlete daraufhin von der britischen Musikpresse als neue Coldplay gehandelt und standen somit bei den Aufnahmen zum nächsten Album unter erheblichem Erfolgsdruck. Ein Druck der auch nicht gerade dadurch gemindert wurde, dass Coldplay 2005 mit ihrem dritten Album X&Y auch einen elektronischeren Sound entwickelt hatten, der laut Chris Martin nicht unwesentlich von Kraftwerk (klingt nun mal cool, das in Interviews zu sagen) und eben auch unüberhörbar dem ersten Athlete Album „Vehicles & Animals“ inspirieret war.

Casio-Rock nennen Athlete ihren damals entwickelten Stil selbst, was darunter zu verstehen ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Eine große Portion 90er Jahre Brit-Pop mit viel Spaß an elektronischen Spielereien. Gute Beispiele dafür kann man auf dem ersten Album „Vehicles & Animals“ erhören, mit Songs wie „You got the style“ oder „New Project“.

Das Ergebnis der Aufnahmen, im eigens dafür neu in London eingerichteten Studio hat nun endlich die Plattenläden erreicht. Anders als bei den Vorgängeralbem lassen es Athlete erst einmal ruhig angehen und eröffnen mit einem Instrumentalsong „In between 2 states“, (der als Teaser auch schon vor Album-Release auf der Homepage runter zu laden war). Danach gehen Athlete aber für ihre Verhältnisse richtig in die Vollen. „Hurricane“ ist ein guter radiokompatibler Popsong in Coldplay-Manier, bei dem Athlete aber nicht auf die charmanten kleinen Klangspielereien verzichten, die ihren Sound so besonders machen. „Tokyo“, nach „Hurricane“ auch die zweite Singleauskopplung macht an der gleichen Stelle weiter und lässt den Hörer kurz inne halten, ob Athlete nun wechselseitig beschlossen haben Coldplay abzukupfern.

Diese Sorge legt sich schnell mit den folgenden Songs, wie „Airport Disco“ oder „It’s not your fault“. Athlete liefern ab hier endlich den Sound, den man von Ihnen gewohnt ist und packen ihn geschickt in fast hymnische Popsongs, schrecken auch vor großen Gesten nicht zurück und verlieren sich auch nicht mehr in Spielereien, oder Belanglosigkeiten, wie bei ein paar Songs der Vorgängeralben. Bei „The Outsiders“ liefern Athlete auf ihre Art eine erstklassige REM-Ballade ab, wie sie Michael Stipe leider schon seit Jahren nicht mehr schreiben kann. Hier zeigt sich auch Athlete sind erwachsen geworden. Sie brauchen nicht mehr die übertriebenen Spielereien von „Vehicles & Animals“ und auch nicht den Pathos von „Tourist“.

Das zeigt sich besonders in der Nummer „Flying over Bus Stops“, dem vielleicht schönsten Song des Albums, ohne viele Mittel oder aufgesetzten Pathos liefern sie ein authentisches Hörerlebnis, bei dem man einfach nur schwelgen kann. Bleibt nach dem Hören zusammenfassend das Fazit, so klingen Athlete eben (letzter Song „This is what I sound like“). Nach dem ersten Hören wird man deshalb vielleicht auch noch einigermaßen unbefriedigt zurück gelassen, da auf den ersten Blick (äh Hör) die vermeintlichen Ohrwürmer wie „Half Light“, oder „Chances“ fehlen. Die wahre Größe des Albums erschließt sich aber nach mehrmaligem Hören dann bald (deshalb erst im November diese Review, obwohl das Album ja schon seit September im Handel zu haben ist). So lässt sich feststellen, Athlete haben ihren Sound perfektioniert, sind nun endgültig erwachsen geworden und haben sich geschickt um die „Endstation Coldplay“ herum manövriert.

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Iain Dezember 1, 2007 um 10:59 Uhr

hier auch noch ein tourtipp, athlete mit dem großartigen iain archer am 12.12 im Prime Club in Köln

2 Sterereo Dezember 22, 2007 um 16:36 Uhr

Wo bleibt das Review zum Auftritt? Bin gespannt, wie’s war. Denn bisher habe ich zwei Mal einen Versuch unternommen die Jungs in Aktion zu erleben, beide Male haben die „Athleten“ abgesagt! Aber vielleicht schaffen wir’s irgendwann nochmal!

Solange höre ich das Album, denn da kann ich dir nur zustimmen: extrem gelungen. Die elektronischen Einflüsse passen einfach perfekt rein. Ich mag solche Frikeleien sowieso sehr gerne. Auch die „Endstation Coldplay“ Anspielung hab ich wohl verstanden. 😉 Allerdings war die Gefahr schon bei „Tourist“ groß, hiermit aber erfolgreich abgewendet. Also nochmal zum mitmeißeln: spitzen Platte!

3 Iain Dezember 27, 2007 um 10:20 Uhr

leider mussten wir das Konzert absagen, da ich krank war ;o)
aber beim nächsten mal vielleicht… was man so aus anderen Rezensionen lesen konnte habe ich ja auch leider einiges verpasst…

aber die platte ist wirklich erste sahne, kann ich auch nur noch mal wiederholen

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