Arcade Fire – Neon Bible

von Benjamin am 10. März 2007

in Musik!

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Neon Bible ist das zweite Werk des Kollektiv von Multiinstrumentalisten um das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne. Die entscheidende Neuerung zum Debütalbum Funeral ist wohl die in einigen Songs dominierende Orgel. Und der dazu passende Aufnahmenort: Eine Kirche. Ansonsten wird auch auf Neon Bible Folk, Country, Rock, Pop, Gospel gemischt und zum BESTEN gegeben, wie man es irgendwie auch nicht anders erwartet hätte, wenn die beiden Protagonisten texanische (Win Butler) bzw. haitische Wurzeln (Régine Chassagne) haben.

Neon Bible (im gleichnamigen Track wird es besonders deutlich) verweist auf den Roman von John Kennedy Toole, den dieser amerikanische Schriftsteller (und Selbstmörder) als 16jähriger geschrieben hat. Die dramatische Geschichte Tooles passt zur Musik von Arcade Fire: Toole brachte sich als 31jähriger um, weil niemand seinen Schelmenroman „A Confederacy of Dunces“ (deutsch: „Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten“) veröffentlichen wollte. Er bekam zwölf Jahre nach seinem Freitod den Pulitzer-Preis für den Roman.

Das neue Arcade Fire Album ist geprägt von nachdenklichen Texten, die häufig biblische Motive aufweisen und den miesen Zustand dieser, unserer Welt anprangern, denn die Schafe und die Löwen liegen noch nicht friedlich beieinander, wie sich im christlichen Glauben die Friedensvorstellung verankert hat (irrtümlicherweise, denn in der Bibel sind es der Wolf und das Lamm… aber das gehört hier nicht hin. Hurz!) und was Butler in „The Well and the Lighthouse“ anklagt. Das sakrale Element findet sich ebenso in der Musik: neben der Orgel erklingen Chorgesänge im Background. Das alles findet sich zwar auf dem Album, aber es ist kein Dokument einer verblendeten Christengemeinde. Dafür fügen sich die Elemente zu gut in den musikalischen Kosmos von Arcade Fire. Auch wenn „(Antichrist Television Blues)“ ein wenig an Bruce Springsteen erinnert, so fällt das nicht negativ auf. Überhaupt, wie Win Butler die Melodien der einzelnen Stücke singt, ist unglaublich und kaum zu beschreiben. Gesang und Musik bedingen einander. Sowie in „Black Wave/ Bad Vibrations“: Chassagne singt mit ihrer hellen Stimme die erste Strophe, die Instrumentierung reduziert sich peu à peu auf ein Glockenspiel und Win Butler (und mit ihm eine dunkle, schwere Gitarre) greift in den Song ein. Und nach diesem Gewitter und der schwarzen Welle setzt das ruhige und beruhigende „Ocean of Noise“ mit fast schon klassischer Instrumentierung aus Flügel, Kontrabass, Streichern, Trompete, Schlagzeug und Gitarre ein.

Ohrwürmer am Stück, Melodien ohne Ende, viel Bombast und das ohne aufgetragen oder klebrig zu sein. Es fügt sich alles zu einem runden, großen Ganzen zusammen. Ich bin gefangen in diesem elf Liedern.

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Hififi März 11, 2007 um 14:22 Uhr

Da bleibt nicht mehr viel zu sagen…

2 Pynchon Oktober 25, 2007 um 13:22 Uhr

Da bleibt echt nichts mehr zu sagen…für mich das Album des Jahres!

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