Appletree Garden-Festival Samstag – Diepholz. 31.7.-1.8.

von Hififi am 6. August 2009

in Feierlichkeiten

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Wie wird der Musikfan gerade auf die kleineren Festivals aufmerksam? Richtig: Entweder durch Werbung (beim Melt! gab es zuhauf Plakate) oder durch das Line Up. Wenn sich dann beim Besuch etwaiger Myspace-Seiten der Lieblingsbands einige Verweise auf das Appletree Garden-Festival finden, sollte klar sein, was zu tun ist. Wieder richtig: Hinfahren! Es war mir leider aus den verschiedensten Gründen nicht möglich schon am ersten Festivaltag – dem Freitag – anzureisen, aber den Samstag zu verpassen, wäre gar unverzeihlich gewesen. Nicht nur, dass mit Handsome Furs und in Gestalt Dan Boeckners, die absolute Crème de la Crème des modernen Indie-Songwritertums zugegen sein sollte, sondern auch die allseits geschätzten Schweden um Tiger Lou absolvieren ihren letzten Auftritt auf absehbare Zeit. Ganz richtig sind die Gerüchte um die Bandauflösung nicht, aber Rasmus Kellerman, Pontus Levahn, Erek Welén, Mathias Johansson und Johnny Karlsson wollen fortan für einige Jahr getrennte Wege gehen, um sich neuen Projekten zu widmen. So wird dem Appletree Garden eine gewisse Exklusivität zuteil, gepaart mit einer friedlichen Stimmung aus Gelassenheit und unbändiger (Vor-)Freude. 1.800 – 2.000 Zuschauer sehen am 31.7. und 1.8. vierzehn Bands, für die sich auch vergleichsweise große Veranstaltungen nicht schämen müssten.

Nun gibt es Fälle wie ClickClickDecker alias Kevin Hamann und dieser bunte Haufen verkleideter „Irrer“ namens Bonaparte, die zu Sommerzeiten wirklich auf jeder Hochzeit tanzen und es fast zur Normalität wird, sie einmal im Monat live zu sehen. Da ich aber dazu neige ständig Bands/ Acts zu verpassen, die ich unbedingt sehen wollte, freut es mich um kurz vor 19 Uhr endlich mal wieder den unterhaltsamen Stücken Hamanns zu lauschen. Irgendwann so nach zwanzig Minuten lässt sich eine gewisse Gleichförmigkeit besagter Stücke allerdings nicht weiter ignorieren, was mich dazu zwingt es wiederum mit ClickClickDecker so zu halten. Jetzt mag ich sie aber schon wieder zu sehr – und vor allem die sympathisch, wie originellen Ansagen – um schlechte Stimmung verbreiten zu wollen, denke aber, dass beim nächsten Album echt was kommen muss, um sich im Deutschrock-Lager zu etablieren. Was soll ich zu Handsome Furs bloß schreiben? Dan Boeckner ist ein verfluchtes Genie und seine Gattin zumindest ein Hingucker, zusammen sind sie das interessanteste Ehepaar der Indie-Szene. Zugegeben es gibt nicht so viele, aber was spielt das für eine Rolle, die Songs von „Plague Park“ und „Face Control“ sprechen zumindest eine deutliche Sprache und die sagt mir heute: „Tanz, tanz, tanz!“ Das mache ich dann auch und so sind fünfundvierzig Minuten Hitprogramm nur noch ein Wimpernschlag. Irgendwie versucht sich Alexei Perry immer wieder an komischen Ansagen, was leider nicht so richtig glücken mag, die in dem anderen Sinne komisch sind, merkwürdig halt. Egal, Boeckner sieht auch nicht gerade taufrisch aus und was interessiert es schon, absolvieren sie doch einen fulminanten, wie grandiosen Auftritt, der glückliche Gesichter hinterlässt, allerdings zu wenig Zuschauer an den Bühnenrand befördert. Schade!

Dúné müssen leider krankheitsbedingt absagen und deshalb stehen um kurz nach 21 Uhr Eight Legs auf der Bühne, die erst vor kurzem elf launige Pub-Rock-Perlen auf den Markt gebracht haben und diese heute in Diepholz präsentieren. Die ganz große Begeisterung will zwar nicht aufkommen, da sicher doch einige (mich eingeschlossen) gerne Dúné gesehen hätten, aber dafür können weder Veranstalter noch die vier Briten etwas. Wer also schmissige Rocksongs im Brit Pop-Korsett mit rotzigem Gesang Marke Carl Barât mag, liegt hier nicht falsch und so weiß auch der Ersatz zu überzeugen, von allgemeiner Enttäuschung zu reden, wäre zumindest zu viel gesagt.

Dann folgt eine wilde Umbau-Orgie, denn Tiger Lou fahren schweres Geschütz auf, in Form einer Armada aus Synthesizern. Einige Zeit später betreten die Mannen um Rasmus Kellerman im spärlichen Zwielicht die Bühne um einige ihrer düster-sphärischen Rocknummern im Publikum unterzubringen. Die Stimmung schwenkt fast ein wenig in Hysterie um, was mitunter sicherlich an der bevorstehenden Pause liegen mag, denn so war das nun wirklich nicht immer. Jedenfalls lassen sich Tiger Lou an diesem Abend nichts vorwerfen und geben eine routinierte letzte Vorstellung ihres Könnens. Mit zunehmender Spieldauer verflüchtigt sich allerdings immer mehr die Partylaune, Augenpaare starren zwar auf die Bühne, nur getanzt wird selten. Die Stimmung ist gedrückt, was zum einem an der gedrückten Atmosphäre der Tiger Lou-Kompositionen liegt, andererseits die meisten Anwesenden schon einmal anfangen der Band hinterher zu trauern. Jedenfalls hat bei mir diese Darbietung noch einen unwillkommenen Nebeneffekt: Müdigkeit. Und so muss ich Bonaparte mal wieder ausfallen lassen, da sie aber zur Zeit an jeder Milchkanne spielen, wird sich das demnächst sicher ändern lassen. Es soll allerdings wie immer gewesen sein, die Herren waren verkleidet, die Damen dagegen eher unbekleidet und meines Wissens nach gibt es auch noch kein neues Liedgut zu vermelden. Und so heißt es mal wieder: „Do you wanna party with the Bonaparte?“ Die Antwort auf diese Frage ist auch im Zelt noch deutlich zu hören.

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