Aphex Twin – …I Care Because You Do

von Hififi am 27. Mai 2008

in Musik!

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In den 90ern gab es auf einmal ganze Universen elektronischer Musik. Elektronische Musik schaffte es dank innovativer Neuerungen und gradliniger Tanzbarkeiten direkt in die Charts und verankerte Acts wie die Chemical Brothers oder Prodigy fest im Mainstream. Nun mag es erstaunen, dass es diese, doch eher progressive, Musik geschafft hat Jugendkultur zu werden, allerdings war nach Rave (Westbam & Co) und dem Manchester Rave (z.B. Stone Roses) der späten 80er die Tür für Neues weit geöffnet. Es war also chic Elektro zu sein, der richtige Zeitpunkt für Richard D. James seiner eigenen Vision Gehör zu schaffen, er allerdings entschied sich damals unwiederbringlich dafür Indipendent zu sein.

Nicht nur das, so macht er bis heute keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Musikindustrie und in seinen seltenen Interviews weist er gerne darauf hin, dass dem Fan nur die „Ausschussware“ zugänglich gemacht wird, er seine Musik lediglich als Mittel zum Zweck betrachtet, eben damit auch Geld verdienen muss. Nicht mehr als er braucht, denn ca. 90% seines Werks bleibt unter Verschluss und glaubt man seinen Worten, werden sie auch dort bleiben. Wichtig das zu wissen, wenn man diese Art von Musik zu hören beginnt.

„…I Care Because You Do“ ist das erste Album welches mit einem Selbstporträt-Artwork aufwartet. Die „Fratzentechnik“, die später dazu kommt und die sein eigenes Antlitz verfremdet, wird mit dem Nachfolgealbum „Richard D. James“ zum Markenzeichen. Diese Art der „Selbstverstümmelung“ kann auch ohne weiteres auf seine Musik übertragen werden, betrachtet man die immer wieder von unerschütterlicher Schlicht- und Schönheit geprägten Melodien, die er dann durch seine erbarmungslos davon spurtende Drum-Machine jagt. Mit diesen kalten, maschinellen Beats zerhackt er immer wieder alle aufkeimenden positiven Gefühle, die diese Art der Kunst in uns auslöst und zieht seine Hörer in eine Art „Downward Spiral“. Konsequenterweise ist der Remix von „At The Heart Of It All“ für Trent Reznor auf „26 Mixes For Cashes“(!) mit das Grausamste was ich je gehört habe. Songs wie „Icct Hedral (Edit)“ machen sich gut in jedem gepflegten Thriller oder Horrorfilm, der was auf sich hält. Durch seine Kälte vorangetrieben, durch einen Beat, der dermaßen nach Maschine klingt, dass es mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, ist er ein Prototyp für die Einzigartigkeit dieser Musik. Im Gegenzug gibt es dann aber z.B. auch „Mookid“, ein kleines Ambient-Schmankerl vor dem man ausnahmsweise keine Angst zu haben braucht und in dem der Meister demonstriert, dass er auch anders kann, aber eben meist nicht möchte. „Alberto Balsam“ schlägt in dieselbe Sparte und überzeugt mit einem zurückhaltenden Beat und einer charmanten Melodieführung, die Lust auf mehr macht. Aber auch das ist wieder nur ein Trugschluss, denn der nächste Track des Albums klingt bestimmt schon wieder anders, denn auf Wiederholungen hat Aphex Twin mit Sicherheit keine Lust.

Dieses 95er-Album gefällt mir mit Sicherheit deshalb so gut, weil es noch nachvollziehbar ist. Spätestens mit „Come To Daddy“ verabschiedet sich James gänzlich aus diesem Genre und verliert seine Hörbarkeit. Ungefähr so wie Stockhausen hören, oder Benzintrinken. Aber Danke für „…I Care Because You Do“!

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