Anthony Joseph & The Spasm Band – Bird Head Son

von Pynchon am 1. März 2009

in Musik!

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Auf seinem zweiten Album (nach dem Debüt Leggo de Lion aus 2007) wirft Anthony Joseph, unterstützt von der Spasm Band (bestehend aus Nachbarn und Freunden) einen Blick zurück auf seine Kindheit in Trinidad und liefert einen packenden Mix aus Soul, Funk und Jazz, der mich mehr als einmal in Gedanken zurückversetzte in von Rauchschwaden durchwirkte Bars, die ich nie besucht, und Jahrzehnte, die ich nie erlebt habe.

„Bird Head Son“ besteht aus einigen sehr funkigen Stücken wie dem Opener „Vero“, von einem hymnischen Background-Chor, einem launigen Saxophon und kreolischem Trommelwirbel untermalt, dem wilden, endlos dahintreibenden (naja, nicht endlos, aber immerhin stolze 12 Minuten) „Jungle“, das irgendwie etwas Vodoo-mäßiges hat, dem jazzig-relaxten „Cutlass“, das den Zuhörer mittels magischer Kraft auf eine Greenwich Village-Party Mitte der fünfziger Jahre katapultiert, dem psychedelischen „His hands“, das einen Zeitsprung in die drogengeschwängerte Zeit der sechziger Jahre in die Hippie-Hochburg San Francisco vollbringt und dabei bedrückend entrückt klingt, irgendwie melancholisch, bis hin zu „Two Inch Limbo“ , das in seiner jazzigen Improvisationskraft mit Josephs assoziativ-poetischem Gesang direkt so rüberkommt, wie ich mir die Beat-Poeten um Jack Kerouac, Neal Cassady und Alan Ginsberg in ihren rauchigen Clubs, die Musiker auf der Bühne mit Zigarettenkippe im Mundwinkel und Alkohol im Blut wild anfeuernd, gerne vorstellen möchte.

Wer sich dem ungewöhnlichen Stil-Mix des musikalischen Vodoo-Priesters und Gospel-Poeten Anthony Joseph öffnen möchte, der wird eine Reise tun – und es nicht bereuen.

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