Anna Ternheim – Ringlokschuppen Bielefeld, 17.09.09

von Hififi am 23. September 2009

in Feierlichkeiten

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Da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie außerordentlich gut die Akustik im Ringlokschuppen ist. Mal abgesehen davon, dass jemand am Mischpult sitzen sollte, der sein Handwerk versteht und dies sicherlich der Fall war, war der Klang einfach kristallklar. Es gibt einfach nichts zu beanstanden und ich habe auch schon Konzerte von Singer/ Sonwritern gesehen, die ich nur zu gerne vorzeitig verlassen hätte. Gerade wenn es möglich ist, sich auf jedes Instrument zu konzentrieren, ohne das sich Instrumente aneinander reiben, oder gar alles in einem einzigen Matsch untergeht, dann lässt sich von einem guten und transparenten Klang sprechen. Je weniger Instrumente dabei im Spiel sind umso besser, oder genauer gesagt umso einfacher diese Voraussetzungen zu schaffen. Wenn dabei auch noch ein unfassbar rücksichtsvolles (weil leises) Publikum zugegen ist, steht einem wunderbaren Konzerterlebnis nichts mehr im Weg. Na ja, vielleicht sollten noch gute Songs im Spiel sein, aber im Falle Anna Ternheim musste sich wohl niemand große Sorgen machen.

Um 20.30 Uhr geht es ohne große Schnörkel los. Ansagen sind nicht unbedingt ihre Stärke und eigentlich gibt es kaum etwas Langweiligeres als ellenlange Monologe. Allzu großes Trara passt einfach nicht zum musikalischen Schaffen der 31-jährigen und so sprechen die Songs heute abend für sich. Andreas Söderström und Johann Berthling komplettieren die „Acoustic Trio Tour“ und im Falle Söderströms bekam das Publikum gleich einen grandiosen Multiinstrumentalisten geboten, wie es sie wohl nicht so viele gibt. Ob nun an der Akustischen, wie den Großteil des Abends, oder mit Trompete im Anschlag, über das Glockenspiel, der Mann weiß wie’s geht. Johann Berthling spielt seinen Kontrabass sehr pointiert mal mit dem Bogen, zupft sich aber durch 90 Prozent des Abends. Jeher eines meiner Lieblingsinstrumente, des warmen, organischen Klanges wegen, muss ich aber sagen, dass Frau Ternheims Songwriting nicht unbedingt dafür ausgelegt ist, sich am Bass hervorzutun. So spielt Berthling eher standardisierte Bassläufe, zwar solide aber sehr unauffällig. Der Fokus liegt nun eh auf der Schwedin.

Wie sich das gehört, bekommen wir erst einmal einige Stücke des aktuellen Albums „Leaving On A Mayday“ zu hören und die sind sehr weit im Folk verankert. Im Zusammenspiel mit Söderström erinnert mich das Gitarrenspiel der Beiden an Nick Drake-Aufnahmen. So unglaublich schöne Melodien, die erst im Zusammenspiel erblühen und sich gegenseitig ergänzen, gibt es wohl nicht allzu oft zu hören. Gerade diese Gänsehautmomente stellen die solo vorgetragenen, später folgenden Songs ein wenig in den Schatten. Aber das soll nur eine Randnotiz bleiben, denn mit der Stimme, könnte sie sich auch von Helge Schneider begleiten lassen, der auf einer rostigen Gießkanne bläst. Und wer könnte ihr schon böse sein? An sechster (?) Stelle gefällt mir „Losing You“ besonders, da Frau Ternheim ein wenig aus sich herauskommt, ihre Stimme erhebt, dem Trennungsschmerz, der im Text mit schwimmt, Ausdruck verleiht. Selbiges geschieht noch einmal bei „Let It Rain“ und ansonsten regieren die leisen Töne im völlig abgedunkelten Ringlokschuppen. 13 – 14 Songs später, nach einer Stunde und fünfzehn Minuten ist erstmal Schluss, bis der euphorische Applaus die drei Musiker noch einmal für zwei Zugaben auf die Bühne spült. Ein Abend, wie er gelungener nicht hätte sein können, tolle Songs, sympathische Musiker… Was will man mehr?

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