Analena – Inconstantinopolis

von Hififi am 23. November 2009

in Musik!

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Nach ausgiebiger Recherche habe ich endlich herausgefunden, was es mit dem etwas seltsamen Bandnamen auf sich hat. Nicht etwa das weibliche Pendant zu Franz Ferdinand, sondern Analena bedeutet auf Sanskrit (der heiligen Sprache der Hindus): Am offenen Feuer. Das passt! Und nachdem ich erst einmal gewillt war „Inconstantinopolis“ als melodienarme Screamo-Version gestandener Institutionen wie Refused abzutun, hat auch mich das Feuer gepackt.

Ok, rumgebrüllt wird natürlich und eigentlich kann ich das nicht mehr wirklich leiden, aber irgendwie hat dieses Album etwas. Ich mag einfach den Sound, der mich an gute Zeiten denken lässt, als Hardcore noch für sich stand, weder Emo, noch Screamo ihn infiltrierte. Dann schleichen sich auf einmal Bands wie 108 oder Shelter in mein Gedächtnis, den Bezug zum Hindu- bzw. Buddhismus herstellend, mit Kreuzen auf dem Handrücken und Straight Edge- Gesinnung. Allerdings glaube ich nicht, dass die vier Bandmitglieder aus Zagreb und Ljubljana sich in dieser Tradition sehen und so werden massenhaft Combos der Post-Punk/ Core-Generation als Einfluss angeführt. Allen voran Pretty Girls Makes Graves und At The Drive-in. Stimmlich liegt Frontfrau Ana auf einer Längenwelle mit Rory Atwell von den aufgelösten Test Icicles, der auf ihrem einzigen Album („For Screening Purposes Only“) ähnlich geschickt zwischen Geschrei und Gesang wechselt. Beruhigend auch die Tatsache, dass die Texte autobiographischer Natur sind und auf simple Slogans und dem genreüblichen Sendungsbewusstsein zu verzichten scheinen. Keine Revolutionsaufrufe und Weltverbesserer-Lyrics, Danke dafür! Noch nicht einmal politisch wollen sie sein, aber eine Band mit slowenischen und kroatischen Mitgliedern, setzt bereits ein kleines, aber feines politisches Zeichen.

Die zehn Songs auf „Inconstantinopolis“ sind dabei angenehm vielseitig arrangiert und liegen überwiegend zwischen drei und vier Minuten Spielzeit, können also durchaus Spannung durch Abwechslung und Ideenreichtum erzeugen. Hervorstechen kann allerdings keiner der zehn Tracks, dafür ähneln sie sich dann doch zu sehr, was das Album aber durchaus zu einer runden, in sich geschlossenen Sache macht (man möge mir diesen Allgemeinplatz verzeihen). Also offensichtlich nicht nur eine Kaufempfehlung für Kenner der Szene, denn ich bin es wirklich nicht und kann mich trotzdem bestens mit Analena anfreunden.

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