Alicate – World Of Anger

von JonesKorn am 14. Januar 2010

in Musik!

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Die Kombination Schweden und The Finest Noise Promotion bedeutet auch fast immer Hard Rock. So auch im Fall von Alicate, die es ursprünglich schon seit 1985 gibt, die dann ab 1993 eine Auszeit bis 2006 nahmen und die jetzt mit neuem Material zum Weihnachtsgeschäft ihre (neue) Fangemeinde beglücken wollen.

Als ich die Scheibe auf meinem Schreibtisch liegen sah und den Namen der Band las, war ich zunächst einmal ständig versucht, da irgendwo noch einen Buchstaben einzufügen. Konsonant, Vokal – egal. Aber nein, es heißt wirklich Alicate und sofern es sich um das portugiesische Wort handelt, so bedeutet es im Deutschen wohl Zange. Ich habe mir aber nicht mehr die Mühe gemacht, der Sache weiter auf den Grund zu gehen.

Zum Album „World Of Anger“ selbst. Musikalisch ist die Truppe in etwa da stehen geblieben, wo sie einmal angefangen hat: in den 80ern. Der gespielte Rock ist denn auch eher Soft denn Hard, egal, beides noch nicht schlimm. Es ist aber so, dass hier zu solide gearbeitet wird, die Stücke klingen überwiegend gleichartig. Viel zu selten gibt es mal Soloausflüge jenseits des Hauptthemas – und wenn, dann sind sie arg kurz.

Dabei starten Alicate mit dem Intro, das uns direkt in den eigentlichen Opener „Blame“ geleitet, gar nicht schlecht. Zunächst zaghaft, kurz unterschwellig bedrohlich wird die Spannung aufgebaut. Dann wechseln sie herüber in das eigentliche Thema und bis Sänger Jonas Erixon das aufgebaute Bild mit einem 1a ich-reib-mir-noch-den-Schlaf-aus-den-Augen Einsatz wieder zerstört, ist es wirklich gelungen. Gegen Ende, als das schleppende Schlagzeug die Gitarre ebenfalls bremst, wird es dann wieder heller am Horizont. Das soll aber nur ein kurzes Aufflackern bleiben. Die Stimme klingt, als könne sie mehr, als ließe man sie aber nicht. Und auch das Schlagzeug klingt als hätte es zu wenig Haare auf der Brust. Oder als hätte es jemand mit leichten Schlägen aus den Fingerkuppen bespielt.

So schaffen es Alicate auch mit den nächsten sieben Titeln dem Hörer spröde Hausmannskost unterzujubeln: Du stirbst nicht dran, aber die Vorfreude auf das Wiederhören hält sich auch arg in Grenzen. Allenfalls „Built on dreams“ hat etwas eigenes Format, hier kommen bei gutem Zuhören gelegentlich ausführlichere Gitarren zutage. Insgesamt ist es aber auch zu fad.

Und dann holen sie als Abschluss diese Perle von „Farewell“ hervor. Nicht nur, dass dieser Titel überhaupt nicht zu den übrigen passt, er schafft es auch wunderbar das Paradoxon von gleichzeitigem Fern- und Heimweh zu erzeugen. Aus der Hüfte geschossen hätte ich den Song locker Runrig zugeordnet, die sich eine Weile hierauf konzentriert haben (insbesondere auf ihrem „Transmitting“ Live Album). So bleibt unterm Strich genau ein wirklich starker Titel – und Alicate vermutlich weiter der Durchbruch verwehrt.

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