Alain Johannes – Spark

von am 23. Mai 2011

in Musik!

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Man hört sofort, die Stimmung, die auf „Sparks“ generiert wird, hat irgendetwas Besonderes an sich: Es ist ein Traueralbum, allerdings das kraftvollste, positivste, das man je gehört hat. Auch wenn der Name Alain Johannes nicht sofort alle Glocken im Kopf klingeln lässt, wird ihm wohl beinahe jeder Rockfan irgendwann, irgendwo einmal begegnet sein. Sei es in den Neunzigern als Gründungsmitglied der aus der Red-Hot-Chili-Peppers-Ursuppe hervorgegangenen Eleven oder durch seine späteren Kollaborationen vor allem mit Queens Of The Stone Age und deren Verzweigungen (Mark Lanegan, Desert Sessions, Them Crooked Vultures). Oder auch mit Brody Dalle und Chris Cornell. Es führte bisher also kaum ein Weg an Alain vorbei, auch wenn er im Gegensatz zu Frontsäuen wie Josh Homme oder Dave Grohl eher eine Randfigur blieb.

Das könnte sich jetzt ändern, auch wenn sein erstes Soloalbum alles andere als aufdringlich daherkommt. Im Gegenteil, handelt es sich doch um Songs, die er seiner verstorbenen Frau und Kreativpartnerin Natasha Shneider gewidmet hat. Dreh- und Angelpunkt ist gleichzeitig auch Ausgangspunkt des Albums: „Endless Eyes“ entstand extra für eine von QOTSA 2008 organisierte Benefizveranstaltung und kann als Keimzelle für „Sparks“ bezeichnet werden. Der Rest entstand unterwegs auf Tour. So hat Alain ein fiebrig-emotionales Reisealbum aufgenommen. Vier Tage lang durchlebte er im Studio ein Wechselbad der Gefühle: „Einige Stücke klingen feierlich, süß und voller Hoffnung, andere sind viel düsterer. Aus einigen klingt ein wenig Wut und Resignation heraus. Wann immer ich emotional aufgeladen genug war, schrieb ich. (…) Da gibt es Schock, Wut, Schuldgefühle, Traurigkeit und jenen Teil, der dich dazu bringt weiterzumachen – und das ist es, was Natasha gewollt hätte.“

Zusammen mit Alain durchlebt man als Hörer diese Stimmungen in brüchig-bluesigen Songs, durchgehend dominiert von seiner Zigarrenkisten-Gitarre. Erwartungsgemäß klingt „Sparks“ grundsätzlich düsterer und weitaus intimer, als alles, woran er bisher beteiligt war, wenngleich sich selbstverständlich immer wieder Parallelen ergeben. Es umweht die Songs eine besondere Dunkelheit, die mit dem Wort ‚Melancholie‘ oder ‚Trauer‘ kaum zu fassen ist. Vielmehr entsteht sich eine ganz eigentümliche Kraft, ein geradezu elisabethanische Dramatik, wie sie zum Beispiel Neil Hannon meisterhaft beherrscht. Überhaupt tauchen überraschenderweise vor dem geistigen Auge immer wieder britische Künstler auf, die der Atmosphäre Pate gestanden zu haben scheinen. „Return To You“ paart beispielsweise die steinige Desert-Session-Dürrheit mit Divine-Comedy-Folkpop-Melodien und Radiohead-Tragik, „Make God Jealous“ inhaliert einen Teil der Luft, die auch schon Nick Drake auf „Pink Moon“ atmete. Selbstredend wird dem ganzen Szenario in dem Prozess jegliche Feuchtigkeit entzogen, um sie wüstentauglich zu machen. Bemerkenswert, wie es Alain schafft einen musikalischen Grabstein zu erschaffen, dem jegliche Sentimentalität fehlt. Bewegend ist „Sparks“ dennoch, aber eher durch seine ungeschönte Direktheit, als durch Pathos und Schmalz.

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