Adam Green – Live Music Hall Köln, 13.04.08

von Sterereo am 14. April 2008

in Feierlichkeiten

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Wie eine Mischung aus Elvis im Endstadium und Alvin von den Chipmunks taumelt Adam Green in seinem Pailetten-Hemdchen durch seinen ersten Gig der frisch entkorkten Deutschlandtournee. Das „A“ wie „Anti-Folk“ auf der Brust flegelt er sich durch das Set, frönt all seinen Weibern auf der „Bunny Ranch“ und füllt schlaftrunken die Spielstätten unseres germanischen Heimatlandes, als wäre alles nur eine große Gaudi.

„Sixes And Sevens“, der neuste Erguss des wortklauberischen New Yorker Darlings, rührt in allen Töpfen und Genres die Mann auf seinen Solopfaden so streifen kann. Diesen Selbstfindungstrip nach den „Moldy Peaches“ führte ihn auch nach Deutschland, wo seit „Friends of Mine“ wohl kein Indie-Nerd jemals wieder so sehr geliebt wurde, wie der gute Pailetten-Adam. Mit dem aktuellen Album wagt er nun den nächsten Abstecher ins wohl gesonnene Land und bringt nach einer Akustik-Stippvisite im Sommer nun wieder eine Band mit. Doch nicht nur versoffene Jungs an lauten Rockinstrumenten schmücken den Tourbus, auch zwei soulige Backgrounddiven versüßen die neue Songvielfalt.

Die Spanne reicht mittlerweile über die brandneue Single („Morning After Midnight“) bis zu sämtlichen entweihten Weiber seiner Diskografie („Jessica Simpson“, „Emily“ und „Carolina“). Wie nebenbei gibt Adam Green den Entertainer, feixt über entwendete Gürtel und singt schmunzelt über Geschlechtsverkehr. So kennt Green-Deutschland seinen Anti-(Folk-)Helden. Kam bei der Akustik-Tour nur ein gequältes grinsen aus den Fanreihen, wenn wiederholt vergessen Textpassagen mit einem Achselzucken überdeckt werden mussten, so beklatschen die Leute paradoxerweise jetzt vor allem die singer-songwriterrischen Soloeinlagen. Liegt wohl daran, dass kongeniale Songperlen wie „Blue Birds“ trotz aller (Backgroundvocal-)Gimmicks einfach nicht tot zu kriegen sind.

Allem Realitätsverlust, Größenwahn und modischen Fürchterlichkeiten zum Trotz, Adam Green ist wieder im Land. Wer sich daran weder satt gehört noch gesehen hat, der darf nun wieder den Ulk-Barden mit Band erleben. Denn dort wird geblödelt, bis die Schwarte kracht – und etwas die Texte gelernt hat er auch.

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1 Sterereo April 14, 2008 um 00:37 Uhr

Wer das Outfit oder einfach nur einen total bekloppten TV-Auftritt sehen möchte, der sollte sich anschauen, wie Adam Green bei Stefan Raap auf Sofa und Schoß sitzt. Einfach auf der Homepage vorbeisurfen: http://www.adamgreen.net/

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