A Technicolor Dream (DVD)

von Hififi am 6. November 2008

in Film ab!

Post image for A Technicolor Dream (DVD)

Es steht außer Frage, dass in den 60ern so einiges passiert ist. Woodstock, Montery Pop und natürlich Flower Power im Allgemeinen; von den USA ausgehend eroberte die Hippie-Bewegung die Welt. „A Technicolor Dream“ beleuchtet eben diese Gegenkultur zum Establishment aus der Sicht der britischen Avantgarde, deren Speerspitze für wenige Jahre die frühen Pink Floyd waren, angeführt von einem der talentiertesten Musiker der Pophistorie: Syd Barrett.

Am Beispiel dieses Ausnahmekünstlers lässt sich ebenfalls sehr anschaulich das Schicksal der Untergrundbewegung, die mit dem vierzehnstündigen „Technicolor Dream“ ihren Höhepunkt erreichte, veranschaulichen, denn Syd Barrett ist förmlich verglüht wie eine Supernova. Für kurze zwei Jahre war er der kreative Kopf von „The Floyd“, Ideengeber und Hauptsongschreiber, bis das Acid überhand nahm und den 21-Jährigen völlig außer Gefecht setzte. Der gleichzeitige Tod des Londoner Undergrounds um John „Hoppy“ Hopkins, der für neun Monate ins Gefängnis gehen musste, wird hier detailliert beschrieben, unter anderem von Hoppy selbst. Der „Technicolor Dream“ war sicherlich der Höhepunkt dieser Bewegung, als am 29. April 1967 im Alexandra Palace vierzehn Stunden lang Live-Musik auf zwei sich gegenüberliegenden Bühnen geboten wurde und zu guter letzt Pink Floyd im Licht der aufgehenden Sonne einen viel umjubelten Auftritt hinlegten. Da darf auch ein John Lennon nicht fehlen, damals noch nicht in der Begleitung von Yoko Ono, die allerdings auch anwesend war. Man könnte jetzt noch viel berichten von der Londoner „Free School“, die Roger Waters gekonnt lakonisch als niemals vorhanden beschreibt, oder der Erstausgabe der „International Times“ mit ihren Drogenbeschaffungstipps. Hier wären wir beim Hauptthema: Drogen, bzw. Acid. Zehn Cent für jedes Mal, wenn dieses Wort fällt und dein Portemonnaie wäre randvoll. Und das geht auf den Geist, auch wenn zum Ende des Films alle Barretts Erkrankung bedauern, so stellen sie in den anderthalb Stunden zuvor, den Acid-Konsum als etwas ganz Normales da. Roger Waters räumt ein tatsächlich nur zweimal LSD genommen zu haben, kann sich allerdings an kaum etwas aus der frühen Bandphase erinnern und findet das ganz offensichtlich auch noch recht lustig. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich leichte Probleme damit habe, mir diese verbrauchten Gesichter (allen voran Kevin Ayers) anzusehen, die immer wieder das Wort Acid in den Raum werfen, als hätten sie damals Traubenzucker gelutscht.

Abschließend möchte ich „A Technicolor Dream“ als eine Art Zeitdokument allerdings wärmstens empfehlen. Der sozialkritische Diskurs, das Aufbäumen der Londoner Jugend der 60er wird hier eingehend beleuchtet und auf den Punkt gebracht. Zum Schluss wird die These in den Raum geworfen, die Szene wäre ´69 halt einfach müde gewesen und hätte sich samt ihrer Protagonisten ein paar Jahre ins Bett gelegt. Das halte ich für sehr treffend.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: