(500) Days of Summer

von Pynchon am 9. November 2009

in Film ab!

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Nichts Geringeres als eine charmante, originell erzählte und sich obendrein authentisch anfühlende Liebeskomödie konnte mich dazu veranlassen, aus der Phalanx der Musik-Besprechungen für einen Moment auszuscheren und einen Kino-Tipp abzugeben, der wirklich von Herzen kommt. Zumal es bekanntlich unzählige romantische Liebeskomödien gibt, die dem gleichen öden Schema folgen und schlimmstenfalls noch mit Jennifer Aniston besetzt sind.

Doch weit gefehlt, im Grunde ist „(500) Days of Summer“ auch keine Komödie im klassischen Sinn, vielmehr eine tragikkomische, bisweilen auch sehr traurige Chronologie einer Liebe, die in die Brüche ging, ohne dass die Hauptfigur, der Grußkarten-Schreiber Tom (Joseph Gordon-Levitt), eigentlich genau sagen könnte, warum die Beziehung zu Summer (Zooey Deschanel) eigentlich gescheitert ist. Also lässt Tom die 500 turbulenten Tage Revue passieren, um aus der Angelegenheit etwas schlauer zu werden. Das Besondere: Die Liebesgeschichte wird unchronologisch aufgerollt, was dem assoziativen Charakter unserer Erinnerungen ja auch viel näher kommt. Von Himmelhochjauchzend bis Zu-Tode-betrübt ist es oft nicht mehr als ein simpler Schnitt.

Wie sich die Beiden erstmals nahe kommen, muss ich unbedingt erzählen, nicht zuletzt deshalb, weil die Musik – wie in so vielen Dingen – eine entscheidende Rolle spielt. Also, Summer ist seit wenigen Tagen Toms neue, aus sicherer Entfernung angeschmachtete Mitarbeiterin im Großraumbüro, als sie unvermittelt zu ihm in den Aufzug steigt. Aus Toms Kopfhörern dringt ein Song, auf den Summer sofort anspringt. Wow, eine gemeinsame musikalische Leidenschaft, vielleicht gar eine Seelenverwandtschaft? So ergriffen schaut Tom zumindest, nachdem Summer ihm offenbart hat, wie sehr auch sie auf „The Smiths“ steht. Und dann beginnt sie sogar zu singen: „…to die by your side, is such a heavenly way to die!“

Ab diesem Moment hätte dieser tolle Film schon gar nicht mehr fehl gehen können – zumindest nicht für mich. Überhaupt, der Soundtrack ist äußerst stimmig und clever in die Handlung eingebunden, wenn Tom im Überschwang der Gefühle (nach der ersten Nacht mit Summer) zu Hall & Oates „You make my dreams“ durch die Straßen von L.A. tanzt – eine grotesk-ironische Musical-Einlage, oder das melancholische „Bookends“ von Simon & Garfunkel einen eher traurigen Moment untermalt.

„(500) Days of Summer“ ist auf eine gewinnende Art sophisticated. Die verspielt-augenzwinkernde Regie, die vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, dass Marc Webb vor seinem Spielfilm-Debüt eine Vielzahl von Videoclips inszeniert hat, mit Split-Screen, filmischen und musikalischen Referenzen, einem postmodernen Genre-Spiel, das – und das ist die große Kunst – nie mit seiner Meisterschaft protzt oder die emotionale Anteilnahme des Zuschauers aufs Spiel setzt. Im Gegenteil, man freut sich und leidet mit dem sympathischen Tom, was nicht zuletzt auch ein Verdienst von Zooey Deschanel ist: Ihre Summer ist einfach atemberaubend, in all ihren Facetten. Ein echtes Sommerkind, und zugleich ein verhängnisvolles süßes Gift.

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