28 Weeks Later

von am 5. Juli 2007

in Film ab!

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„28 Days Later“ war ein verstörendes Meisterwerk von einem Film. Danny Boyle schaffte es, dem ausgelutschten Zombiefilm-Genre neues Leben einzuhauchen, indem er viel Neues erschuf, und den alten Klischees einen modernen, zeitgemäßen Look verpasste.

Unvergessen wie Cilian Murphy zu der Musik von GOODSPEED YOU! BLACK EMPEROR durchs verlassene London richtungslos durch die Gegend irrt. Danny Boyle gab den „Infizierten“ eine unglaubliche Geschwindigkeit: Unter spastischen Zuckungen und unmenschlichen Würgegeräuschen und Gekrächze machten sie sich unkontrolliert unaufhaltsam auf die Jagd nach Überlebenden.

Die Spuren unvorstellbarer Zerstörung und der Evakuierung mit all seinen angedeuteten tragischen Geschichten, und vor allem die trostlos-verlassene, unheimliche Kulisse einer Großstadt, die normalerweise fast vor Leben zu bersten droht, sorgten für ein verstörendes Fundament, von dem aus sich die Story, die noch einige unerwartete Twists und Wendungen bereit hielt, entwickeln konnte.

Man konnte mit dem Protagonisten mitfiebern, da er ebenso ahnungslos wie der Zuschauer versuchte zu rekonstruieren, was sich in den vergangenen Tagen wohl ereignet haben könnte. Jedes neue Puzzleteil ließ einen nur mehr erschaudern.

Isolation, Entsetzen, Fassungslosigkeit – waren die Impulse, die „28 Days Later“ auslöste. Mit großartigen Schauspielern, erschreckend realistischen Szenarien und einem geschickt eingesetzten atmosphärisch-apokalyptischen Soundtrack (Hammerszene: Wie die Protagonisten zu Grandaddys „108“ im Tesco ’schoppen‘ gehen) entfaltete der Film – insbesondere in der Originalversion – eine beängstigende Wucht, die einen noch länger beschäftigen musste.

Gerade seine Andersartigkeit zu den bisherigen Genre-Klassikern machte „28 Days Later“ für mich zu einem der besten Filme 2002.

Nun folgt also die Forsetzung, abgesegnet von Danny Boyle, aber unter neuer Regie, und mit neuem Cast. Robert Carlyle war sicherlich eine erfreuliche Wahl für die Hauptrolle. Regisseur Juan Carlos Fresnadillo wurde von Boyle ausdrücklich vorgeschlagen.

Um eins vorwegzunehmen: Ich empfand den Film als mittelgroße Enttäuschung. Fresnadillo verpasste dem apokalytischen Szenario typische Horrorfilmelemente, wie man sie schon hundertfach gesehen hat: Klaustrophobisches Kriechen durch enge Röhren, sterile Laborräume in flimmernden Neonlicht, permanente Dunkelheit, arrogant böses Militär, das natürlich trotz Waffenaufgebot seine eigene Unfähigkeit zur Schau stellt, wenn es wirklich drauf ankommt.

„28 Weeks Later“ ist an sich kein schlechter Film, nur ein schwaches Sequel, verglichen zu den außergewöhnichen Stärken des Vorgängers.

Die Story ist eigentlich Nebensache: 28 Wochen nach dem Ende des ersten Films, haben die Amerikaner die Insel besetzt und kontrollieren in wichtigtuerischer Post-9/11-Genauigkeit die Zone 1, die nun für die Neubesiedlung freigegeben wurde. Ärgerlich bei dem ganzen Militärgehabe ist die Tatsache, dass erst minutenlang das ganze Security-/Kontrollprozedere gezeigt wird, aber auf der anderen Seite können Zivilisten problemlos den Sicherheitsbereich verlassen, sich durch Quarantänestationen bewegen, oder es ist ganz einfach kaum jemand zur Stelle, wenn mitten in der Sicherheitsbasis ein Infizierter Amok läuft.

Fresnadillo setzt wesentlich mehr auf Actionelemente, was an sich ja nicht negativ sein muss. Allerdings ist es nur mäßig spannend, längere Sequenzen im Halbdunkeln mitzuverfolgen, in denen die Amerikanischen Soldaten mehr oder weniger ziellos in der Dunkelheit herumballern.

Das verstörende an „28 Days Later“ war die Metamorphose der alltäglichen und vertrauten Umgebung in etwas Unheimliches, Gefährliches. Cilian Murphy musste sich nicht durch die Dunkelheit bewegen, um zu spüren, dass sich die tödliche Bedrohung in unmittelbarer Nähe befand.

„28 Weeks Later“ hat kaum noch etwas von dem subtil-unterschwelligen Horror des Vorgängers. Alles ist ganz offensichtlich für den Zuschauer: Die Amis sind böse, die Infizierten blurünstig (und scheinen neuerdings auch gewisse sadistische Neigungen zu haben), und die Überlebenden müssen fliehen.

Ein Beispiel für die Offensichtlichkeit des Films ist der verwendete Soundtrack. Das von John Murphy komponierte atemlos-grandiose Finalthema „In the House – In a Heartbeat“ funktioniert quasi als Dauerberieselung, und verliert durch diesen inflationären Einsatz zusehends an Dramatik.

„28 Weeks Later“ ist wie bereits erwähnt kein schlechter Film, spricht wohl allerdings wesentlich mehr die Fans des genres an, als der Vorgänger. Ich gehöre leider nicht dazu.

Übrigens: Danny Boyle hat angekündigt, dass es einen weiteren Teil geben soll. „28 Months Later“ wird wohl eher den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen, d.h. er wird zumindest von mir nicht mit soviel Spannung erwartet, wie der zweite Teil.

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1 Sterereo Juli 6, 2007 um 12:09 Uhr

Ich wurde jetzt schon einige Male vom Trailer berieselt. Dort macht der Film auf mich den Eindruck, als ob zuerst versucht wird eine Endzeitstimmung aufzubauen um dann doch in 0815-Horror überzudriften. Also ganz wie du sagst, otic. Und da ich schon wegschauen musste, als sie nur die Spritze an die Vene angesetzt haben, kommt solch ein Film für mich sowieso nicht in Frage, mit meinem kindlichen Gemüt kann ich dann Wochenlang nicht schlafen. Da schau ich lieber Shawn of the Death…

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