12 Meter ohne Kopf

von Sterereo am 16. Dezember 2009

in Film ab!

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Schnaps, Weiber, Dreck, Prostest und Krawall – das trübe Destillat des Punk- und Piratenlebens. Also wieso nicht filmisch endlich vereinen, was anscheinend so selbstverständlich zusammen gehört? Diese Idee geisterte wie der fliegende Holländer in der Birne von Regiekapitän Sven Taddicken („Emmas Glück“) seit seinem Filmstudium herum. „12 Meter ohne Kopf“ ist Protestkino: Ost- statt Südsee, Helgoland statt Hollywood.

Piratenlegende Klaus Störtebecker (Ronald Zehrfeld) träumt vom Ausstieg vom Aussteigerleben. Angesichts einer rostigen Klinge im Brustkorb scheint plötzlich das Leben im Bauernstand der mittelalterlichen Gesellschaft eine angemessen Alternative. Sein streitsüchtiger Kapitänsadjutant Gödeke Michels (Matthias Schweighöfer) lässt jedoch keine Ausreden gelten. Schon bald meutert die unloyale Piratenbesatzung und auch Störtebecker baut sich ein Floß. Dann springt bei Michels der Funke über und mit einem Kanonenschlag sind die Piraten wieder dick im Geschäft. Von nun an werden die fetten Wänste der „Pfeffersäcke“ geschlitzt und geschrieen: „Fickt die Hanse!“

Womit dann neben den historischen Fakten auch der mittelalterliche Sprachgebrauch kielgeholt worden wäre – linguistischer Anachronismus als Programm. Die Ausflüge ungewaschener Seemänner in überbohrtes Bankergebrabbel sind teilweise äußerst komisch. Ein Spagat den auch der Soundtrack schafft. Von Hans Zimmer-Piratenambiente, über Knüppelpunk bis Johnny Cash ist alles an Bord und lässt höchstens das verträumte Gezupfe von Piratenreinkarnation Keith Richards vermissen. Neben diesem Hybrid aus postmoderner Subkultur und mittelalterlichem Freibeutertum setzt „12 Meter ohne Kopf“ auf ihre Hauptdarsteller. Vor allem Matthias Schweighöfer lebt den Soziopathen und lässt Ronald Zehrfeld bei seinem Leinwanddebüt manchmal als Anspielpartner degradiert in der salzigen Ostseegischt stehen. Die Figur Michel Gödeke scheitert im Film so kläglich, dass er der eigentliche Star ist. Lieder bleibt der Fokus jedoch auf Störtebecker und seiner fast naturgemäß weniger spannenden Wandlung zum Familienmenschen.

Sie lebt also, die Legende vom Störtebecker und seinem kopflosen Fußmarsch vorbei an seiner todgeweihten Crew. Sie lebt vor allem durch die greifbare Atmosphäre der dreckigen Piratenspelunken, wäre da nicht dieser steife Gegenwind der schwächelenden Geschichte um den zweifelnden Piratenkönig. Es hätte ein aufregender Strandtag werden können. So hält der Zuschauer wenigstens die Füße ins Wasser und denkt während den fetzigen Seeschlachten möglicherweise: „Jo-ho-ho, Punk’s not dead.“

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